Aktualisiert 29.09.2009 09:36

Internetbestellungen ohne Grenzen

Deutsche Lieferadressen für Schweizer

Über das Internet gibt es heute fast alles zu kaufen. Doch die Kauflust schlägt schnell in Frust um, wenn man im Ausland bestellt. Lieferungen in die Schweiz sind entweder nicht möglich oder mit hohen Gebühren verbunden. Findige Deutsche in Grenznähe bieten nun Abhilfe.

von
Annette Hirschberg

In Internetforen sind sie zahlreich zu finden: Die Fragen, wie man sich Pakete an einen Grenzort in Deutschland schicken lassen kann. Denn Online-Bestellen ist für die meisten Schweizer eine grosse Enttäuschung: Das Einkaufsparadies Internet lässt sich nur jenseits des Rheins in vollen Zügen geniessen. Für Sendungen in die Schweiz gilt oft: «Nicht lieferbar». Schicken die Verkaufsportale dennoch Päckchen in unser Land, ist dies oft mit horrenden Lieferkosten, Zollgebühren und Bearbeitungstaxen verbunden (siehe Infobox).

Kosten: 2 bis 5 Euro pro Paket

Darum versuchen viele Käufer, sich ihre Pakete nur bis zur Grenze schicken zu lassen. Nicht jeder hat aber einen Bekannten in Konstanz, Waldshut oder Weil am Rhein. Private Firmen springen nun in diese Lücke. Gegen ein kleines Entgelt von zwei bis fünf Euro pro Sendung kann jedermann sein Paket an einen deutschen Grenzort am Rhein schicken lassen und dann persönlich abholen.

Bis zu 150 Sendungen täglich

So bieten etwa das Lottogeschäft Burg in Weil am Rhein oder die Movie Mediathek in Tiengen bei Waldshut diesen Service an. Lotto Burg dient schon seit über zwei Jahren als Lieferadresse für Pakete an Schweizer. Der Erfolg ist mittlerweile durchschlagend: Bis zu 150 Sendungen kommen täglich dort an. Und der Strom an neuen Kunden reisst nicht ab. «Zwischen fünf und zehn pro Tag sind es im Schnitt», sagt Juniorchef Andreas Burg.

Ein Nebengeschäft zum Filmverleih

Mit solchen Zahlen kann die Movie Mediathek in Tiengen nicht prahlen. Erst seit wenigen Monaten hat Geschäftsführer Gerald Kibelkstis den Lieferadressen-Service ins Angebot aufgenommen. «Man muss neue Wege suchen, mit Filmverleih allein lässt sich heute nicht mehr genug Geld machen», sagt Kibelkstis. Auch bei ihm ist das Geschäft angelaufen. Doch derzeit kommen nur fünf bis zehn Pakete pro Tag in seinen Verkaufsräumlichkeiten an. «Die Zahl der Neuanmeldungen steigt aber», sagt er.

Sogar Bündner fahren bis an die deutsche Grenze

Doch nicht nur Private in Deutschland, auch eine Website wirbt seit einiger Zeit mit einem Lieferadressen-Service: Euroretour.ch. Das Portal dient als Vermittler für private grenznahe Adressanbieter und freut sich über die steigende Nachfrage. «Wir haben Anmeldungen aus der ganzen Deutschschweiz, sogar Bündner fahren bis an die Grenze, um Sendungen bei unseren Partnern abzuholen», sagt Geschäftsführer Daniel Leuenberger. Seine Kunden sind vornehmlich Besucher von Auktionsplattformen und speziellen Anbietern, die ihre Ware nicht in die Schweiz liefern. «Aber auch Produkte, deren Lieferung in die Schweiz sehr teuer kommt, lassen Käufer gern an eine von unseren Lieferadressen schicken», sagt Leuenberger.

Bis jetzt bietet Leuenberger drei Lieferadressen an: Ìn Weil am Rhein, Laufenburg und Waldshut. «Wir sind aber dabei, weitere Private in Konstanz und Friedrichshafen ausfindig zu machen», so Leuenberger.

Benachrichtigung per SMS oder E-Mail

Das Prinzip funktioniert bei allen drei Anbietern etwa gleich: Zuerst muss sich der interessierte Käufer online bei einem der Anbieter registrieren (bei Euroretour kostet dies 5 Franken, die anderen Anbieter sind kostenlos). Dafür erhält er eine Kundennummer, die genaue Adresse des Lieferortes in Deutschland und dessen Öffnungszeiten. Bei der nächsten Bestellung im Internet kann der Käufer einfach die Lieferadresse in Deutschland als Versandadresse angeben.

Sobald das Paket eingetroffen ist, wird er per SMS, E-Mail oder Telefon benachrichtigt. Danach liegt es 14 bis 30 Tage lang zum Abholen bereit. Normal grosse Pakete bis etwa zwei Meter kosten 2 bis 8 Euro. Nach Laufenburg oder Waldshut kann man sich auch sperrige Sendungen wie grosse Pflanzen oder Möbel schicken lassen. Solche Grosspakete kosten 10 bis 25 Euro.

Sobald das Paket eingetroffen ist, wird er per SMS, E-Mail oder Telefon benachrichtigt. Danach liegt es 14 bis 30 Tage lang zum Abholen bereit. Normal grosse Pakete bis etwa zwei Meter kosten 2 bis 8 Euro. Nach Laufenburg oder Waldshut kann man sich auch sperrige Sendungen wie grosse Pflanzen oder Möbel schicken lassen. Solche Grosspakete kosten 10 bis 25 Euro.

Kosten für Postverzollung von Paketen aus dem Ausland

Ein Geschenk bis zu einem Wert von 100 CHF und Handelsware an Private bis zu einem Wert von 66 CHF (inkl. Lieferkosten) sind abgabefrei. Eine Ausnahme sind Bücher. Bei ihnen beträgt der Zoll-Freibetrag 209 Franken.

Über diesem Wert verrechnet die Schweizer Post die Verzollungsgebühr von 18 Franken für Waren bis zum Wert von 500 Franken (Ausnahme: Alkohol, Tabak und Schmuck), ab einem Warenwert von über 500 Franken oder bei Alkohol, Tabak und Schmuck werden direkt 35 Franken Zollgebühren berechnet. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 7,6 Prozent auf den gesamten Warenwert inklusive Lieferkosten und Verzollungsgebühr und eine Posttaxe von 10 Franken.

Bringt der Versender auf dem Paket keine Rechnung an, zahlt der Empfänger zusätzlich 6 Franken für das Öffnen des Pakets und 10 Franken für das Ausfindigmachen der Rechnung.

Wird das Päckchen jedoch von einem privaten Anbieter geliefert, muss noch viel tiefer in die Tasche gegriffen werden: Hier kommen noch eine Einfuhrabfertigungsgebühr von 33 Franken, eine Vorlageprovision von 10 Franken und eine MWSt.-Verarbeitungsgebühr von 10 Franken hinzu.

Wer hingegen seine Ware selbst über den Zoll bringt, darf sie bis zum Wert von 300 Franken zollfrei importieren.

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