Aktualisiert 11.06.2015 14:05

Flaute im Bett

Deutsche Paare finden Sex nach einem Jahr langweilig

Einer Langzeitstudie zufolge verlieren Paare nach maximal 12 Monaten die Lust am Sex. Erst nach acht Jahren ist das Tief überwunden – ein wenig.

von
mh
Nach einem Jahr ist der Spaß im Bett weg? Das muss nicht sein.

Nach einem Jahr ist der Spaß im Bett weg? Das muss nicht sein.

Picture Alliance/Mcphotof

Sex in Beziehungen – ein leidiges Thema. Denn: Je länger ein zwei Menschen zusammen sind, desto eher herrscht Flaute im Bett. Wie schnell Paaren die Lust am Liebesspiel vergeht, wurde jetzt für eine Langzeitstudie des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften in Mannheim sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht.

Sechs Monate bis ein Jahr nach dem Kennenlernen geht's demnach bei Deutschen ordentlich rund im Schlafzimmer. Nach einem Jahr tritt Ernüchterung ein. Bereits im zweiten Jahr ihrer Partnerschaft verlieren sie dann deutlich die Lust aneinander.

Entgegen der verbreiteten Meinung passiert der Bruch nicht erst dann, wenn man zusammenzieht oder die Ringe ausstauscht: «Unsere Resultate zeigen, dass im heutigen Deutschland die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs von der Dauer der Partnerschaft abhängt, nicht von Zusammenleben oder Heirat», kommentieren die Autorinnen Jette Schröder und Claudia Schmiedeberg ihre Ergebnisse.

Für die Studie sind 2800 repräsentativ ausgewählte Männer und Frauen befragt worden – und zwar regelmäßig. Die Langzeitstudie Pairfam behält ihre Teilnehmer seit 2009 im Blick und beobachtet ihre Partnerschaft.

Nach sechs bis acht Jahren geht's aufwärts

Ihren Sex-Tiefpunkt erreichen die Paare nach sechs bis acht Jahren in einer Beziehung. Wer diese Dauer übersteht, darf sich freuen – zumindest ein bisschen: Nach der Flaute steigt die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs wieder an. Auf das Niveau vom Anfang der Beziehung finden die Paare im Bett jedoch nie zurück.

Das sei aber kein Grund zur Panik, sagt Paartherapeut Jochen Rögelein. Für viele Paare könne es sogar befreiend sein, weniger miteinander zu schlafen, weil sie sich mit etwas anderem beschäftigen können.

Frust statt erotische Stimmung

Rögelein rät allerdings nicht zum Sex-Verzicht. Lieber sollte man sich Hilfe holen, wenn im Bett gar nichts mehr geht. In seine Praxis kämen immer wieder Paare, die mit Youtube-Videos oder Büchern versucht hätten, für mehr erotische Stimmung zu sorgen – und dadurch den Frustrationsgrad bloß erhöht hätten.

«Sexualität ist viel zu komplex, als dass sich allgemeine Tipps geben ließen», sagt Rögelein. «Jeder hat blinde Flecken und auch unterschiedliche blinde Flecken.» Am Ende sei guter Sex aber wichtiger Bestandteil der Lebensqualität – und somit ein wichtiges Thema, dem man sich ausgiebig annehmen sollte.

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