Harte Strafen: «Deutsche Raser werden die Schweiz umfahren»
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Harte Strafen«Deutsche Raser werden die Schweiz umfahren»

Dass ein deutscher Raser in der Schweiz mit einer bedingten Freiheitsstrafe rechnen muss, gibt in seiner Heimat zu reden. Dort gilt schnelles Fahren als Kavaliersdelikt.

von
som
Auf vielen deutschen Autobahnen gilt kein Tempolimit. Wer hier zu schnell fährt, muss mit einer vergleichsweise milden Strafe rechnen.

Auf vielen deutschen Autobahnen gilt kein Tempolimit. Wer hier zu schnell fährt, muss mit einer vergleichsweise milden Strafe rechnen.

«Wer rasen will, wird wohl die Schweiz in Zukunft grossräumig umfahren», sagt Markus Schäpe, Leiter Verkehrsrecht beim Allgemeinen Deutsche Automobil-Club (ADAC). Grund für seine Aussage ist der Fall eines Deutschen, der im August auf der A1 bei Spreitenbach 88 km/h zu schnell fuhr. Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat am Dienstag für ihn eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten und eine Busse von 4000 Franken beantragt. Dass die Behörden ihm nach dem Vergehen sogleich das Auto entzogen und es nun nach dem Willen der Staatsanwaltschaft verkauft werden soll, sorgte in den deutschen Medien für Diskussionen.

Beim gleichen Delikt in Deutschland hätte der 58-Jährige laut Schäpe lediglich mit einer Busse von 600 Euro und drei Monaten Führerausweisentzug rechnen müssen. «Bei Vorsatz kann das Gericht diese Strafe höchstens verdoppeln.» Eine Freiheitsstrafe könne es lediglich verhängen, wenn der Autofahrer andere gefährdet hätte. «Da dies aber äussert schwierig zu beweisen ist, kommt ein Raser meistens nur nach Unfällen hinter Gitter», so Schäpe.

«Deutsche sollten sich mit Schweizer Verkehrsregeln befassen»

Mit Blick auf den Umstand, dass nichts passiert ist, findet Schäpe die Schweizer Strafe auch ziemlich hoch: «Schliesslich wurde er am frühen Morgen geblitzt, als wohl kaum andere Autos unterwegs waren.» Er sei froh, dass solche Umstände in Deutschland vermehrt berücksichtigt würden. Rasen werde aber auch hier nicht bagatellisiert: «Wer wiederholt erwischt wird, muss mit einem längerem Führerscheinentzug rechnen.» Seiner Meinung nach ist das sinnvoller als eine Geld- und Gefängnisstrafe. Mit dem deutschen Raser, der nun in Baden vor Gericht muss, hat er trotzdem kein Mitleid: «Wer in die Schweiz fährt, sollte sich akribisch mit den dortigen Verkehrsregeln befassen.»

Verkehrsexperte Jens Schade von der Technischen Universität Dresden würde es hingegen begrüssen, wenn die Raser in Deutschland härter angefasst würden: «Schliesslich kann zu schnelles Fahren einen hohen Schaden verursachen.» Ebenfalls fordert er mehr Kontrollen: «Gerade unsere Autobahnen ohne Tempolimiten verleiten zum sehr schnellen Fahren, auch wenn es die Witterungsverhältnisse gar nicht erlauben.» Leider schreite die Polizei im Gegensatz zur Schweiz erst ein, wenn etwas passiert sei.

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