Deutsche reissen sich Schweizer Arztpraxen unter den Nagel

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Deutsche reissen sich Schweizer Arztpraxen unter den Nagel

Weil die Ausbildung von Medizinern kostspielig ist und der Markt gesättigt ist, bremst die Schweiz die Zulassung von Ärzten nach Kräften. Lachende Dritte sind deutsche Mediziner.

Der strenge Weg zu einer eigenen Praxis beginnt für einen Schweizer beim Numerus Clausus, einer Prüfung, die vor Studienbeginn bestanden werden will. 2004 und 2005 fielen etwa die Hälfte der Interessierten schon bei diesem Eintrittstest durch. Danach folgen sechs Jahre Kurse an der Universität. Ist das Studium erfolgreich durchlaufen und hat der Arzt das Staatsexamen in der Tasche, ist ein Praktikum in einem Spital Pflicht, um Praxiserfahrung zu sammeln.

Erst wenn sich der angehende Arzt so einen Weiterbildungstitel erworben hat, darf er selbständig tätig sein. Doch da macht heute Medizinern, die mit einer eigenen Praxis liebäugeln, eine weitere Regelung einen Strich durch die Rechnung: Im Jahr 2002 wurde ein Ärztestopp eingeführt. Um die Gesundheitskosten zu senken, darf ein Arzt nicht einfach eine Praxis aufmachen, so die Idee. Die Anzahl Praxen wird kantonal geregelt.

Einzige Möglichkeit ohne möglicherweise jahrelang zu warten ist die Übernahme einer bestehenden Praxis, etwa eines Arztes der in den Ruhestand tritt. Doch da machen jetzt seit Einführung der erweiterten Personenfreizügigkeit deutsche Mediziner den Schweizern das Leben schwer: Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, hat sich in Deutschland bereits ein reger Handel mit freien Schweizer Arztpraxen.

Wie bei jedem Markt wird hier der Preis durch Angebot und Nachfrage geregelt. Profitieren können davon Schweizer Mediziner, die ihre Praxis aufgeben und eine «Abgangsentschädigung» aus Deutschland erhalten. Leidtragende sind Schweizer Jungärzte, die sich eine eigene Praxis kaum mehr leisten können. Bis zu 250 000 Franken werde für ein Gesamtpaket bezahlt, schreibt der «Tages-Anzeiger».

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