Deutsche spalten die Schweiz
Aktualisiert

Deutsche spalten die Schweiz

Hier lebende Deutsche werden von Schweizern ganz unterschiedlich wahrgenommen. Schlagfertigkeit und spitzere Ellbogen können die befragten User noch akzeptieren - wenn nur das Sprachproblem nicht wäre.

von
Olaf Kunz

Geht es um die Deutschen in der Schweiz, gehen die Meinungen der Eidgenossen weit auseinander. Etwa 43 Prozent finden die hier lebenden Deutschen sehr oder überwiegend sympathisch. 22 Prozent sind unentschlossen. Bei etwa genau so vielen rufen die Einwanderer aus der Bundesrepublik eher Antipathie hervor. Jeder zehnte Schweizer findet die Deutschen sogar sehr unsympathisch. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage von 20minuten.ch, an der sich 4312 Internetnutzer beteiligten.

Nase hoch, Ellenbogen raus

Eine überraschend grosse Einigkeit besteht in der Frage nach den Gründen für eine mögliche Antipathie. So sind 60 Prozent der Befragten der Meinung, dass mögliche Ressentiments gegen «die Schwaben» daher rühren, dass diese arrogant auftreten. Als zweithäufigster Grund mutmassen viele die Direktheit der Einwanderer mit dem Adler auf dem Pass. Mehr als jeder Fünfte glaubt, dass eine Abneigung auch mit der hochdeutschen Sprache zusammenhänge.

Bei den Eigenschaften, die eher auf Deutsche denn auf Schweizer zutreffen, wurden vor allem Arroganz und Schlagfertigkeit genannt, gefolgt von Schlagfertigkeit und Durchsetzungsvermögen. Eigenschaften, die Deutschen eindeutig nicht zugeschrieben werden sind Bescheidenheit, Präzision und Pünktlichkeit.

Schaffe, schaffe, Häusle baue

Die Wahl der Schweiz als Lebensmittelpunkt hängt in erster Linie mit dem Job zusammen. Diese Tatsache beunruhigt durchaus viele Schweizer Arbeitnehmer. Auch wenn die Arbeitslosenquote derzeit auf einem niedrigen Niveau liegt, empfinden immerhin 45 Prozent der Schweizer die Deutschen schon jetzt als gefährliche Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. 55 Prozent sehen - trotz des bescheinigten Durchsetzungsvermögens - keine Gefahr für ihren eigenen Arbeitsplatz.

Kommunikationsproblem Dialekt

Etwas Schweizerdeutsch aus deutschem Munde könnte unter Umständen zu einem besseren Bild beitragen. So würden es zwei Drittel der Befragten begrüssen, wenn sich die Deutschen bemühen würden, Schweizerdeutsch zu verstehen und damit ihren Integrationswillen zu bekunden. 45 Prozent zeigen sich tolerant. Ihrer Ansicht nach sollen deutsche Mitbürger in der Schweiz so reden, wie sie können und wollen. Lediglich 12 Prozent finden es anbiedernd, wenn Deutsche sich mit Schweizerdeutsch abmühen.

Euro 08 - lieber keine Deutschen

Schweizerdeutsch hin, Hochdeutsch her - viele Fussball-Fans mit dem Schwarz-Rot-Goldenen-Anstrich dürften während der Fussball-EM in der Schweiz obdachlos bleiben. Ein Rating zu diesem Thema zeigt, dass schwedische, tschechische und holländische Besucher während des Events rund um das Leder am ehesten aufgenommen würden. Erst auf Platz neun rangieren die Supporter des Nationalteams um Jogi Löw. Immerhin noch vor Schlachtenbummlern aus Österreich, Italien, Kroatien und der Türkei.

CH mit Positiv-Image?

Nach Ihrer Einschätzung zum Ansehen der Schweiz in Deutschland befragt, glauben 68 Prozent, dass die Eidgenossenschaft positiv oder sogar sehr positiv wahrgenommen wird. An ein negatives Bild der Schweiz jenseits des Rheins glauben indes nur acht Prozent. Bei der Einschätzung des Ansehens der Schweiz in der Welt ergibt sich ein ähnliches Bild mit sogar noch etwas positiverer Tendenz.

Insgesamt haben sich 4312 User an der nicht repräsentativen Umfrage beteiligt, davon 3304 Männer und 1009 Frauen. Die Umfrage war im Zeitraum von 4. bis 8. April online. Ausschlag zur Umfrage gab eine BBC-Studie, nach der Deutschland weltweit das höchste Ansehen geniesst.

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