Aktualisiert 15.01.2015 12:59

Schwerte

Deutsche Stadt platziert Flüchtlinge in KZ-Baracke

Eine deutsche Stadt bringt Flüchtlinge in einem ehemaligem KZ unter. Viele sind empört. Vor Jahren hatten die Baracken aber schon andere Bewohner.

von
nsa
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Einst mussten die KZ-Häftlinge im westdeutschen Schwerte Gleise für die Nazis schmieden.

Einst mussten die KZ-Häftlinge im westdeutschen Schwerte Gleise für die Nazis schmieden.

AFP/Bernd Thissen
Heute werden Asylbewerber in der Aufseher-Baracke des ehemaligen KZ untergebracht.

Heute werden Asylbewerber in der Aufseher-Baracke des ehemaligen KZ untergebracht.

AFP/Bernd Thissen

Die Aussenstation des Konzentrationslagers Buchenwald im Dortmunder Vorort Schwerte wurde im Januar 1945 geschlossen. Genau 70 Jahre später sollen nun 21 Asylbewerber in die Aufseher-Baracke einziehen – ein Entscheid, der viele Flüchtlingsorganisationen wütend macht.

Birgit Naujocks, die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates Nordrhein-Westfalen, ist empört. Sie sagt der «Süddeutschen Zeitung»: «Ich habe ja Verständnis dafür, dass angesichts der Flüchtlingszahlen Notlösungen gesucht werden müssen.» Was in Schwerte derzeit passiere, sei «bedenklich und befremdlich».

Vertreter der Stadt Schwerte rechtfertigen sich: Containerunterkünfte für die Asylbewerber seien aufgrund der hohen Nachfrage nicht verfügbar – eine andere Möglichkeit habe man nicht. Die Stadt sehe sich im Moment «ein wenig in die rechte Ecke gestellt».

«Damals hat das niemanden interessiert»

Flüchtlinge seien auch nicht die Ersten, die in der Aufseherbaracke untergebracht würden: Vor Jahren habe schon ein Waldkindergarten darin Quartier bezogen und in den 1990er Jahren seien dort schon einmal Flüchtlinge untergebracht worden. «Damals hat das aber niemanden interessiert.»

Wenig Verständnis hat auch Claudia Temp für die Aufregung. Die Mitarbeiterin eines Kulturbüros lebt seit Jahren in einer KZ-Baracke im Nachbarort Tönsholt. «Das ist lange her und hat mit uns nichts zu tun», sagt sie den «Ruhr Nachrichten».

Mit ihrer Meinung steht Temp nicht alleine da. Bei der «Ruhr Nachrichten»-Umfrage: «Geht die Nutzung der ehemaligen Unterkünfte für Sie in Ordnung?» geben 88,29 Prozent der 111 Befragten die Antwort: «Ja!»

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