Gemeinsamer Gottesdienst: Deutsche und polnische Bischöfe gedenken Kriegsbeginn
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Gemeinsamer GottesdienstDeutsche und polnische Bischöfe gedenken Kriegsbeginn

Erstmals haben deutsche und polnische Katholiken in einem gemeinsamen Gottesdienst an den Beginn des Zweiten Weltkriegs erinnert und damit ein Zeichen der Versöhnung gesetzt.

In der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale kamen am Sonntag anlässlich des 70. Jahrestags des deutschen Überfalls auf Polen Gläubige aus beiden Ländern zu einer Gedenkfeier zusammen, an der mehrere Bischöfe sowie Bundespräsident Horst Köhler und der polnische Botschafter Marek Prawda teilnahmen.

«Das Gedenken an 1939 ist gerade in der Stadt wichtig, in der die nationalsozialistischen Herrscher den Befehl zum Überfall auf das Nachbarland Polen gaben», sagte der Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky. Der Vorsitzende der deutsch-polnischen Kontaktgruppe, Erzbischof Ludwig Schick, sieht den Frieden in Europa auch heute noch durch Hass, Neid und Egoismus gefährdet. «Aber die Erinnerung an den schrecklichen Verlauf des Krieges muss dazu aufrufen, alles zu tun, damit die Welt friedlich wird und bleibt.»

Der Bischof von Tarnów, Wiktor Skworc, sagte in seiner Predigt, der Glaube könne ein starkes Fundament für den Frieden sein. «Der Krieg hat gezeigt, wozu Menschen fähig sind, wenn sie Gott als Bezugspunkt verdrängt haben.» Skworc forderte, Worte wie Vergebung und Versöhnung endlich in Taten umzuwandeln. Dies sei bis zum Fall der Mauer zu selten geschehen.

Zugleich warnte er, dass Furcht, Aggression und mangelndes Verständnis für Menschen anderer Herkunft noch immer unsichtbare Mauern bildeten. «Es ist an der Zeit, nicht erneut die Opfer von damals aufzuzählen, um das Leid zu messen, oder Gottes Wirken zu hinterfragen, sondern sich gemeinsam für Versöhnung einzusetzen.»

In Fürbitten und Gebeten gedachten die Gottesdienst-Besucher der Gefallenen, der Deportierten und der Augenzeugen, die bis heute an den Folgen des Krieges leiden. (dapd)

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