Langes Warten : Deutsche wird mit 106 Jahren endlich Britin
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Langes Warten Deutsche wird mit 106 Jahren endlich Britin

Johanna Waller war vor den Nazis nach England geflüchtet und seither auf der Insel ansässig. Nun hat sie feierlich ihren britischen Pass überreicht bekommen - nach 70 Jahren Warten.

Im Alter von 106 Jahren ist die gebürtige Deutsche Johanna Waller in London zur Britin geworden. Die alte Dame war vor den Nazis nach England geflohen. Es sollte aber mehr als sieben Jahrzehnte dauern, bis sie die Staatsbürgerschaft ihrer neuen Heimat bekam.

Waller erhielt die Staatsbürgerschaft am Freitag bei einer feierlichen Zeremonie im Stadtteil Camden, wie ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte. Die bisherige Deutsche ist damit der älteste Mensch, der jemals Brite wurde. Den Rekord hielt bis dato ein 104 Jahre alter Mann aus Indien, der im Februar eingebürgert worden war.

Johanna Waller war wegen ihres jüdischen Glaubens in Nazi- Deutschland verfolgt worden und nach London geflohen. Weil sie auf der Flucht nicht alle ihre Papiere mitnehmen konnte, hatte sie es in all den Jahren nie versucht, die britische Staatsbürgerschaft zu bekommen.

«Ich bin stolz»

Die örtliche Parlamentsabgeordnete setzte sich nun erfolgreich für die gebürtige Aachenerin ein, die in London jahrelang als Bäckereiverkäuferin arbeitete.

Bei der Einbürgerungszeremonie mit Nationalhymne und Eid auf die Queen waren am Freitag im Rathaus von Camden gute Freunde der Seniorin zugegen - sie hatte auch ihre Coiffeuse eingeladen. «Ich bin stolz, jetzt Bürgerin des Landes zu sein, in dem ich seit mehr als 70 Jahren lebe», sagte die rüstige Frau.

«Jetzt bin ich berühmt - es hat mich über 100 Jahre gekostet, deswegen habe ich es verdient», scherzte sie. Jetzt wünscht sie sich ein Telegramm von Queen Elizabeth II: Das bekommen Briten zum Geburtstag, wenn sie mindestens 100 Jahre alt sind. (sda)

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