Minus 3,8 Prozent: Deutsche Wirtschaft schrumpft wie noch nie

Aktualisiert

Minus 3,8 ProzentDeutsche Wirtschaft schrumpft wie noch nie

Die deutsche Wirtschaft steckt noch tiefer in der Rezession als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im ersten Quartal 2009 um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Das ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden der grösste Rückgang seit Beginn der Berechnung amtlicher Quartalsergebnisse im Jahr 1970.

Ursache sei vor allem der Einbruch beim Export und den Investitionen.

Damit ging die Wirtschaftsleistung zum vierten Mal in Folge gegenüber dem Vorquartal zurück. Im Vergleich zum ersten Quartal 2008 sackte das BIP sogar preisbereinigt um 6,7 Prozent, kalenderbereinigt um 6,9 Prozent ab. In den letzten drei Monaten des Jahres 2008 war das BIP um 2,2 Prozent gesunken; das Statistische Bundesamt korrigierte den ursprünglich genannten Wert noch um 0,1 Prozentpunkt nach unten. Bereits das war der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung.

Exportweltmeister leidet in globaler Krise

Ausführliche Angaben über die Wirtschaftsleistung in den einzelnen Bereichen will das Statistische Bundesamt am 26. Mai veröffentlichen. Soviel ist nach den Angaben der Statistiker jedoch schon klar: Der Exportweltmeister Deutschland wird von der globalen Wirtschaftskrise besonders stark getroffen. Die Ausfuhren seien im ersten Quartal deutlich stärker zurückgegangen als die Importe, erklärte das Bundesamt. Zudem seien die Investitionen der Unternehmen erheblich niedriger ausgefallen als im Vorquartal. Einzig die staatlichen und die privaten Konsumausgaben hätten einen leichten Anstieg verzeichnet.

Beim privaten Verbrauch wirken sowohl die deutlich gesunkene Inflation als auch die Abwrackprämie positiv. Das reicht aber nicht, um die Einbrüche beim Export auszugleichen. Analysten der Nord/LB schätzen den Rückgang beim Export auf mehr als 10 Prozent. Zudem wirke die geringe Auslastung der Kapazitäten als Investitionsbremse. Daher seien vor allem die Ausrüstungsinvestitionen in den Keller gerutscht. Zudem habe die sehr kalte Witterung die Bautätigkeit gebremst.

Analysten erwarten weniger negative Zahlen

Die Bundesregierung erwartet für das Gesamtjahr einen Rückgang des BIP um 6 Prozent. Analysten sehen für das laufende Jahr ebenfalls noch keinen Aufschwung voraus, auch wenn der Rückgang sich abschwächen dürfte. Darauf deuten Anzeichen für eine vorsichtige Erholung der globalen Nachfrage seit März hin. «Dies wird das letzte Quartal mit derartigen Horrorzahlen gewesen sein», erklärte die Nord/LB. Für die zweite Jahreshälfte sei eine Bodenbildung zu erwarten.

Auch die Ökonomen von Global Insight sagten vom zweiten Quartal an «viel weniger negative» Wachstumszahlen voraus. Vor allem die Exporte dürften anziehen, während die Einfuhren deutlicher als bisher sinken dürften, da die zunehmende Arbeitslosigkeit den privaten Verbrauch immer mehr dämpfen dürfte. Wegen der weiterbestehenden Probleme in wichtigen Zielländern der deutschen Exportwirtschaft dürfte es allerdings einige Jahre dauern, bis das Exportniveau von 2007 wieder erreicht werden könne.

Joachim Sondermann, AP

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