Aktualisiert 14.06.2005 14:25

Deutsche Wirtschaft will 200.000 Stellen abbauen

Die deutsche Wirtschaft wird nach eigenen Angaben dieses Jahr deutlich weniger wachsen als bisher geschätzt und etwa 200.000 Arbeitsplätze abbauen.

Nach Auswertung seiner jüngsten Konjunkturumfrage unter mehr als 25.000 Unternehmen reduzierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag am Dienstag seine Wachstumsprognose für 2005 von 1,5 auf «gut ein Prozent». Rezessionsgefahr sieht der Verband aber nicht. «Der Konjunktur droht eine langsame Gangart, aber kein Absturz.»

«Erstmals seit acht Erhebungen beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftslage wieder schlechter - und zwar spürbar und auf breiter Front», betonte der DIHK in Berlin. Nach dem überraschend guten Start ins Jahr habe das Wachstum «einen deftigen Dämpfer erhalten». Als entscheidende Ursache für die Konjunkturabkühlung nannte der Verband Abstriche beim Export auf Grund der schwächeren Weltwirtschaft sowie die nach wie vor fehlende Binnennachfrage, seit nunmehr vier Jahren die deutsche Wachstumsbremse Nummer eins.

Der DIHK teilt mit seiner Einschätzung dennoch den Optimismus der Bundesregierung, die ebenfalls ein Konjunkturplus von 1,0 Prozent erwartet. Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gehen hingegen von 0,7 Prozent aus. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben erklärte, der Verband habe in seine Prognose die vorgezogene Bundestagswahl als positiven Impuls berücksichtigt, da so Deutschland ein Jahr des Reformstillstands erspart bleibe. Schon die Aussicht auf ein vorzeitiges Ende der Legislaturperiode «lässt die Unternehmen auf bessere geschäftliche Perspektiven hoffen».

Schätzten im Februar 22 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut ein, sind es nun 27 Prozent. Als gut bewerten 20 Prozent ihre Situation. Vor vier Monaten waren es noch 25 Prozent. Bei den Zukunftserwartungen ist das Bild ähnlich. Die Investitionsplanungen verharren auf geringem Niveau.

Klassisches Konjunkturmuster tritt weiter nicht ein

Das klassische Konjunkturmuster, auf das sich Deutschland jahrzehntelang verlassen konnte, tritt den Angaben zufolge weiterhin nicht ein: Trotz anhaltend starker Exporte kommt die Binnenwirtschaft nicht in Gang. Beim privaten Konsum gebe es zwar Lichtblicke. Doch reichten diese längst nicht aus, die leichten Rückgänge beim Export aufzufangen.

Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich weiter verschärfen. Wenn auch mit verringertem Tempo, wird der Personalabbau der Umfrage zufolge weitergehen. «Viele Unternehmen können zusätzliche Aufträge bislang noch mit dem bestehenden Personal abwickeln.» Lediglich jede zehnte Firma will demnach 2005 neue Leute anheuern. 28 Prozent kalkulieren mit Stellenstreichungen, etwas mehr als im Februar (27), aber deutlich weniger als vor Jahresfrist (30). Die heimische und die globale Wirtschaftslage enge den Spielraum für Neueinstellungen stark ein.

«Der hohe Wettbewerbsdruck zwingt insbesondere die Industrie, weiter zu rationalisieren», hiess es. Vor allem Grossunternehmen «planen einen wesentlich restriktiveren Personaleinsatz im Inland». Angesichts hoher Personalkosten bleibe Stellenabbau ein zentrales Mittel zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit.

Der DIHK forderte nochmals grundlegende Reformen. Nötig sei ein Umbau des Steuersystems mit niedrigen Sätzen sowie Bürokratieabbau. Die nächste Regierung müsse - egal in welcher Konstellation - «schnell zu Potte kommen», sagte Wansleben.

(dapd)

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