Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft zieht nur langsam an
Aktualisiert

KonjunkturprognoseDeutsche Wirtschaft zieht nur langsam an

Die deutsche Wirtschaft kommt nur mühsam aus der Krise. Die Wirtschaftsleistung wird in diesem Jahr um 1,7 Prozent gegenüber 2009 zulegen.

«Die grösste Herausforderung wird es sein, angesichts der enorm gestiegenen Schuldenlast wieder politische Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen», sagte Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), anlässlich der Veröffentlichung der Konjunkturprognose.

Für 2011 schätzen die Ökonomen das Wirtschaftswachstum auf 1,8 Prozent. Dann sollte auch die Inlandsnachfrage anziehen. Der Aufschwung ist laut DIW-Prognose im laufenden Jahr vor allem der Erholung der Weltwirtschaft zu verdanken. Dabei profitiere Deutschland jedoch nur unterdurchschnittlich: Die Hauptabsatzmärkte der Deutschen lägen nicht in den aktuellen Wachstumszentren der Weltwirtschaft in Asien und Lateinamerika, sondern vielmehr in der Eurozone und Osteuropa, wo die Wirtschaftsentwicklung weiterhin schwach sei.

Massive Zunahme der Arbeitslosigkeit bleibt aus

Der deutsche Arbeitsmarkt stabilisiert sich demnach. Die Arbeitslosenquote werde 2010 und 2011 bei voraussichtlich 7,8 Prozent und 2011 bei 7,7 Prozent liegen. Erwartungen einer massiven Zunahme der Arbeitslosigkeit wegen der Krise hätten sich nicht bestätigt, sagte DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke.

Die Lage der öffentlichen Finanzen sei hingegen desolat. «In den ersten Monaten 2010 ist das Lohnsteueraufkommen regelrecht weggebrochen,» sagte Konjunkturchef Christian Dreger. Ein Grund hierfür sei das 2009 beschlossene sogenannte Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Für Steuersenkungen gebe es keinerlei Spielraum. «Um die Haushalte zu konsolidieren, werden wir vielmehr um Steuererhöhungen nicht herumkommen», sagte Zimmermann.

Für die Verbraucherpreise erwarten die DIW-Ökonomen nur moderate Teuerungsraten von knapp einem Prozent in diesem und etwas mehr als einem Prozent im nächsten Jahr. Dämpfend wirke sich aus, dass viele Kapazitäten noch unterausgelastet sind.

Am Donnerstag wird das Gemeinschaftsgutachten zur Konjunktur von fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstituten der Bundesregierung überreicht und anschliessend veröffentlicht. Das DIW hatte sich um eine Teilnahme beworben, wurde aber erneut nicht aufgenommen. (dapd)

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