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Geister-ShoppingcenterDeutsche wollen Schweizer Einkaufstouristen zurück

Einkaufszentren ennet der Schweizer Grenze sind verwaist. Darum fordern süddeutsche Bürgermeister eine schnelle Grenzöffnung zur Schweiz. Sie wollen die Schweizer Einkaufstouristen zurück.

von
Barbara Scherer
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In deutschen Läden in der Nähe der Schweizer Grenze fehlen die Einkaufstouristen.

In deutschen Läden in der Nähe der Schweizer Grenze fehlen die Einkaufstouristen.

Foto: Keystone
Deshalb fordern  fünfzehn Bürgermeister und zwei CDU-Bundestagsabgeordnete aus grenznahen Regionen in Baden-Württemberg eine Öffnung zur Schweiz.

Deshalb fordern fünfzehn Bürgermeister und zwei CDU-Bundestagsabgeordnete aus grenznahen Regionen in Baden-Württemberg eine Öffnung zur Schweiz.

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 Durch die Grenzschliessung seien Freunde und Familien getrennt worden und die Wirtschaft leide, sagt Philipp Frank, Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen.

Durch die Grenzschliessung seien Freunde und Familien getrennt worden und die Wirtschaft leide, sagt Philipp Frank, Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen.

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Darum gehts

  • Schweizer und deutsche Politiker fordern eine Grenzöffnung für die Wirtschaft.
  • Besonders die deutschen Läden in der Nähe der Grenze leiden: Ihnen fehlen die Schweizer Konsumenten.
  • Sobald die Grenzen öffnen, werden die Schweizer aber nicht nach Deutschland stürmen, sagt ein Experte.
  • Die Angst vor dem Virus werde die Konsumlust in Grenzen halten.

Wo sich sonst Autos mit Schweizer Nummernschildern aneinanderreihen, herrscht jetzt gähnende Leere: Auf den Parkplätzen der deutschen Detailhändler in der grenznahen Region fehlen die Einkaufstouristen. Die Aldi-Filiale in Jestetten ennet der Schaffhauser Grenze musste deshalb sogar die Öffnungszeiten um fünf Stunden verkürzen, wie die Frankfurter Allgemeine berichtet.

Nun öffnet der Bundesrat die Grenzübergänge ab dem 11. Mai langsam wieder. Fürs Einkaufen über die Grenze fahren ist aber weiterhin nicht erlaubt. Viele Schweizer Politiker fordern darum eine totale Grenzöffnung. Ein Austausch in den Grenzregionen sei wirtschaftlich wichtig, sagt etwa Regine Sauter, FDP-Nationalrätin und Präsidentin der Zürcher Wirtschaftskammer, zu 20 Minuten.

Existenzen stehen auf dem Spiel

Das sehen auch fünfzehn Bürgermeister und zwei CDU-Bundestagsabgeordnete aus grenznahen Regionen in Baden-Württemberg so: Sie drängen auf eine Öffnung zur Schweiz. «Die Grenze zu unserem südlichen Nachbarn ist nicht einfach nur eine Grenze, sondern eine tägliche Lebensader», sagt Philipp Frank, Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen, zu 20 Minuten.

Durch die Grenzschliessung seien Freunde und Familien getrennt worden, und die Wirtschaft leide: «Weil die Schweizer Kunden fehlen, beklagen der stationäre Handel in den Innenstädten sowie die Gastronomie massive Umsatzeinbussen», so Frank.

Auch kleinere Handwerksbetriebe seien von der Grenzschliessung betroffen. «Existenzen stehen auf dem Spiel», sagt Frank. Eine Grenzöffnung sei nötig. Weil die Schweiz nicht mehr als Corona-Risikogebiet eingestuft werde, sei dies auch vertretbar. Inzwischen hätten beide Länder ähnlich hohe Infektionsraten.

Schweizer Händler profitieren

Den einheimischen Detailhändlern kommt die Grenzschliessung entgegen. Sie konnten im Lockdown ihren Umsatz sogar steigern. Der Einkaufstourismus ist den Schweizer Händlern seit Jahren ein Dorn in Auge. Denn jährlich geben die Eidgenossen rund 10 Milliarden Franken ausserhalb von der Schweiz aus. Ein grosser Teil davon fliesst ins grenznahe Ausland.

Gerade jetzt würde sich aber der Einkauf im Ausland lohnen: Der Schweizer Franken hat sich in der Corona-Krise aufgewertet. Das heisst, Ware im Ausland ist für Schweizer zurzeit besonders preiswert. So kostet im Moment 1 Euro rund 1,05 Franken.

Deutsche Umsatzzahlen sinken

Die fehlenden Schweizer Kunden bemerken die deutschen Detailhändler Aldi, Lidl und Edeka. Die Kundenzahl sei in den grenznahen Filialen rückläufig, bestätigen die Händler auf Anfrage. Angaben zu den Umsatzzahlen wollen alle drei nicht machen.

Wegen den fehlenden Schweizer Kunden hat Lidl Deutschland das Personal aber reduziert und die Warenlieferungen angepasst, wie eine Mediensprecherin zu 20 Minuten sagt. Auf eine mögliche Grenzöffnung ist der Detailhändler vorbereitet: Man könne rasch auf eine steigende Nachfrage reagieren.

Einkaufstourismus wird sich in Grenzen halten

Dass die Schweizer nach einer Grenzöffnung sofort in Deutschland einkaufen gehen, bezweifelt Christian Fichter, Wirtschaftspsychologe der Kalaidos-Fachhochschule, aber: «Die Angst vor dem Virus wird viele Leute vom Shoppen im Ausland abhalten.» Mit einem Ansturm sei nach der Öffnung der Grenzen wohl nicht zu rechnen.

Allgemein habe die Corona-Krise die Konsumstimmung der Schweizer verschlechtert. «Viele werden im Moment auf unnötige Einkäufe verzichten.» Statt das Geld für billige Mode auszugeben, würden die Menschen in Zukunft wohl lieber in langlebige Produkte wie Möbel investieren. Auch sei davon auszugehen, dass viele Schweizer ihre Einkäufe vermehrt online tätigen werden.

Komplett und für immer habe die Krise das Konsumverhalten der Schweizer aber auch nicht verändert: «Sobald wir gelernt haben, mit Corona zu leben, wird der Einkaufstourismus wieder zunehmen.» Sparen sei auch in Zukunft ein wichtiges Motiv für den Einkauf im Ausland.

Wirtschaft soll Fahrt aufnehmen

Lockerung der Grenzen

Am 11. Mai hat der Bundesrat das Einreiseverbot gelockert. Neu wieder möglich ist etwa der Nachzug von Familienangehörigen für Schweizer Bürger sowie für EU/Efta-Angehörige, die in der Schweiz leben. Auch die Zulassung zum Schweizer Arbeitsmarkt wird wieder erlaubt, mit Fokus auf EU/Efta und den Gesundheitsbereich.

Tätigkeiten, die im wirtschaftlichen Interesse unabdingbar sind, wie etwa Verkaufsgespräche, Vertragsverhandlungen oder dringende Montagearbeiten im Infrastrukturbereich, sollen wieder erlaubt werden. Pendenzen von Gesuchen für Dienstleistungen, die vor dem 25. März gestellt wurden, werden ebenfalls wieder normal bearbeitet.

Zudem bearbeiten die Kantone auch wieder Gesuche für längerfristige Arbeitseinsätze. Der Bund empfiehlt den Kantonen weiter zwei zusätzliche Lockerungsschritte: Sie sollen im Meldeverfahren auch wieder Gesuche für Stellenantritte für Personen bearbeiten, wenn diese bereits mindestens zweimal bei einem Schweizer Arbeitgeber tätig waren.

Ein weiterer Lockerungsschritt ist für den 8. Juni vorgesehen. Ab dann sollen alle Gesuche von erwerbstätigen EU- und Efta-Staatsangehörigen wieder bearbeitet werden können, die ihre Arbeitsstelle in der Schweiz auch tatsächlich antreten dürfen.

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483 Kommentare
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speedy

19.05.2020, 10:40

ja es wäre wirklich schön, wenn jetzt alle in der SCHWEIZ einkaufen würden. schliesslich haben wir auch die schweizer wirtschaft mit zig milliarden unterstützt und dann wäre es nur logisch, wenn wir jetzt auch weiterhin lokal einkaufen. hier verdienen wir das geld und hier geben wir es auch aus - bitte. alle.

Doriand

14.05.2020, 21:56

ich habe ein e-bike gekauft, weil ich die schöne Schweiz mehr entdecken möchte. Gute Sache! Deutschland kann gut um sich selber kümmern.

Martial2

14.05.2020, 15:48

Zuerst wollten die Deutschen die Schweizer Kundschaft nicht mehr, wie so oft in Kreuzlingen, jetzt jammern die den Umsatz deswegen... Beides gibts nicht liebe Deutsche Supermärkte...!