Aktualisiert 16.03.2017 16:10

Export-Einbruch

Deutschen vergeht Lust auf Schweizer Schoggi

Der starke Franken drückt die Schweizer Schoggi-Exporte nach Deutschland massiv. Für viele Deutsche ist der Aufpreis nicht mehr akzeptabel.

von
P. Michel
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Die Schweizer Schoggi-Exporte nach Deutschland schwächeln: Sie brachen im vergangenen Jahr um 19 Prozent ein.

Die Schweizer Schoggi-Exporte nach Deutschland schwächeln: Sie brachen im vergangenen Jahr um 19 Prozent ein.

Schweiz Tourismus
Urs Furrer, Direktor des Verbands Chocosuisse, stellt fest, dass die «Preissensitivität» in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen ist. «Die Schweizer Schoggi wurde mit der Aufgabe des Mindestkurses zum Euro 20 Prozent teurer – die deutschen Konsumenten scheinen nun immer weniger bereit zu sein, diesen Aufpreis zu zahlen.»

Urs Furrer, Direktor des Verbands Chocosuisse, stellt fest, dass die «Preissensitivität» in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen ist. «Die Schweizer Schoggi wurde mit der Aufgabe des Mindestkurses zum Euro 20 Prozent teurer – die deutschen Konsumenten scheinen nun immer weniger bereit zu sein, diesen Aufpreis zu zahlen.»

Chocosuisse
Für die Schokoladenfabrik Maestrani ist Deutschland einer der wichtigsten Exportmärkte. Dementsprechend spürt die Firma auch den Rückgang der Nachfrage. Laut CEO Markus Vettiger ist der Export nach Deutschland im einstelligen Prozentbereich eingebrochen.

Für die Schokoladenfabrik Maestrani ist Deutschland einer der wichtigsten Exportmärkte. Dementsprechend spürt die Firma auch den Rückgang der Nachfrage. Laut CEO Markus Vettiger ist der Export nach Deutschland im einstelligen Prozentbereich eingebrochen.

Maestrani

Schweizer Schokolade ist im Ausland gefragt: 122'034 Tonnen exportierten Schweizer Hersteller letztes Jahr ins Ausland – das ist ein Plus von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während jedoch in Frankreich, Kanada und den USA der Hunger nach Schweizer Schoggi ungebrochen ist, erlitten die Exporte nach Deutschland einen deutlichen Einbruch. Laut dem Branchenverband Chocosuisse gingen die Verkäufe ins Nachbarland um 19 Prozent zurück. Bereits 2015 verzeichneten die Exporte nach Deutschland einen Rückgang von 20 Prozent.

Für die Schokoladenfabrik Maestrani ist Deutschland einer der wichtigsten Exportmärkte. Dementsprechend spürt die Firma auch den Rückgang der Nachfrage. Laut Maestrani-Chef Markus Vettiger ist der Export nach Deutschland im einstelligen Prozentbereich eingebrochen.

Deutsche wollen nicht mehr für Schweizer Schoggi zahlen

Urs Furrer, Direktor des Verbands Chocosuisse, stellt fest, dass die «Preissensitivität» in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen ist. «Die Schweizer Schoggi wurde mit der Aufgabe des Mindestkurses zum Euro 20 Prozent teurer – die deutschen Konsumenten scheinen nun immer weniger bereit zu sein, diesen Aufpreis zu zahlen.» Wie eine GfK-Studie zeigt, ist davon nicht nur die Tafelschokolade betroffen. Zwischen 2012 und 2015 sank in Deutschland auch die Bereitschaft, für Schokoriegel oder Pralinés mehr zu bezahlen.

Am Image der Schweizer Schoggi kann der Exportrückgang laut Maestrani-Chef Vettiger nicht liegen, denn dieses «ist nach wie vor sehr gut». Auch er sieht den Grund beim Preis: «Die deutschen Konsumenten sind sehr preisbewusst, darum hat die Frankenstärke sicher einen Einfluss.»

Steigen Deutsche auf EU-Schoggi um?

Auch die von der «Agrarlobby» betriebene Abschottung erschwere zunehmend den Export in die EU, sagt Vettiger. Dabei geht es darum, dass die Preise für Schweizer Milchpulver oder Butter durch Agrarzölle geschützt werden und dadurch das Zwei- bis Dreifache des Preises im angrenzenden Ausland betragen. Heute wird diese Preisdifferenz über Ausfuhrbeiträge im sogenannten «Schoggi-Gesetz» ausgeglichen. Doch auf Druck der WTO sollen diese Subventionen bis spätestens 2020 wegfallen.

Der Schokoladenkonsum in Deutschland ist derweil stabil. 9,74 Kilogramm kaufte jeder Deutsche im vergangenen Jahr. Dies deutet darauf hin, dass die Deutschen nicht auf die Schokolade verzichten, sondern einfach in der Schweiz hergestellte Produkte meiden.

Auch Lindt mischt im EU-Markt mit

«Der deutsche Markt wird von deutschen Markenherstellern dominiert», stellt Maestrani-Chef Markus Vettiger fest. Dazu gehört im deutschen Premiumsegment auch Lindt. Der Konzern produziert vor Ort den Lindt-Teddy und vertreibt das Produkt von dort in die Welt. «Lindt als Leader im deutschen Premiumsegment ist eine ‹Schweizer Marke› mit Produktionsstätten in der EU», sagt Vettiger.

Dass deutsche Konsumenten auf EU-Schokolade umsteigen, vermutet man auch beim Hersteller Chocolat Frey, der ebenfalls vom Export-Rückgang betroffen ist: «Es ist anzunehmen, dass vermehrt Schokolade aus dem EU-Raum konsumiert wird, da diese durch den Wechselkurs-Effekt nicht belastet wird.»

Bei Lindt heisst es auf Anfrage, dass man vom Exportrückgang nach Deutschland nichts spüre. «Die Exporte unseres Schweizer Werks nach Deutschland haben sich in den letzten Jahren nicht verringert, sondern sogar gesteigert», sagt Sprecherin Nathalie Zagoda. Und in Deutschland selbst habe man den Umsatz im letzten Jahr im zweistelligen Bereich steigern können.

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