Aktualisiert 05.05.2015 12:48

Busse profitierenDeutscher Bahnstreik füllt die Busse in die Schweiz

Seit dem Beginn des längsten Bahnstreiks in Deutschland satteln viele auf Fernbusse um. Besonders gefragt ist die Strecke München–Zürich.

von
Isabel Strassheim
Bei Bahnstreiks besonders gefragt: Fernbusse ab Zürich. Das Foto stammt aus der Zeit des letzten Streiks im vergangenen November.

Bei Bahnstreiks besonders gefragt: Fernbusse ab Zürich. Das Foto stammt aus der Zeit des letzten Streiks im vergangenen November.

Wegen des Rekordstreiks bei der Deutschen Bahn fährt derzeit nur ein Drittel der Fernzüge. Seit dem frühen Dienstag geht bei den Lokführern nichts mehr – der Streik soll bis Sonntagmorgen um neun Uhr dauern. Auch die Schweiz trifft das: Es dürften rund 40 Züge pro Tag ausfallen, sagte ein SBB-Sprecher. Reisende steigen deswegen nicht nur auf das Auto um, sondern auch in Scharen auf Fernbusse.

Bei MeinFernbus Flixbus buchen seit der Streikankündigung am Sonntagabend dreimal so viele Kunden eine Fahrt, wie Sprecherin Marika Vetter zu 20 Minuten sagt. Zu den Top 20 der meistgebuchten Strecken zählt Zürich–München – die Strecke sei teilweise schon ausverkauft. «Zusatzbusse sind derzeit noch nicht geplant, wir behalten die Buchungen im Auge», betont Vetter. Wegen der Zusammenarbeit mit 170 kleineren Busunternehmen lasse sich das Angebot bei Bedarf auch kurzfristig erhöhen. Sehr gefragt sei derzeit auch die Strecke Zürich–Stuttgart.

Viele bleiben beim Fernbus

Seit Sonntag laufen auch beim Vergleichsportal Fernbusse.de im Schnitt 40 Prozent mehr Anfragen ein, wie Sprecher Andreas Oswald sagt. «Bei jedem Bahnstreik gibt es bei uns auch automatisch mehr Nutzer.» Aus Online-Kommentaren weiss er, dass es für einige nicht nur bei einer Notlösung bleibt: Sie haben den Fernbus auch nach Streikende für sich entdeckt.

Gleich drei- bis viermal so viel Buchungen gehen diese Tage beim deutschen Fernbus-Anbieter Postbus ein. «Für uns ist das natürlich sehr erfreulich», sagt Deutsche-Post-Sprecher Alexander Edenhofer. Die Strecken in die Schweiz würden dabei jedoch nicht sehr stark nachgefragt.

Höhere Preise bei grosser Nachfrage

Die Preise für die Fernbusse steigen generell, je kurzfristiger man bucht. Eine Art Streikzulage gibt es nicht. Aber die Fahrt wird teurer, je mehr Leute mitfahren: Denn bei hoher Nachfrage für die noch wenigen freien Plätze steigen die Ticketpreise.

Ob die Deutsche Bahn auch selbst mit ihrem IC Bus vom Streik profitiert, ist unklar. Von ihrer Seite gab es trotz Anfrage zunächst keine Auskunft. Der aktuelle Streik der Lokführer ist der achte. Streik Nummer sieben lief vergangenen November, dauerte jedoch lediglich drei Tage.

Der Fernbus-Markt ist in Deutschland seit 2013 liberalisiert. Seitdem gibt es eine Reihe von Anbietern. Den grössten Marktanteil hat MeinFernbus Flixbus. Beide Unternehmen haben sich vor kurzem zusammengeschlossen.

Swiss profitiert nicht vom Zugausfall

keinen Buchungsanstieg. Es werden auch keine grösseren Maschinen eingsetzt, wie Swiss-Sprecherin Karin Müller zu 20 Minuten sagt.

InterSky wirbt für Friedrichshafen aktuell mit «Lösungen für Streikgeplagte». Und lockt mit zusätzlichen Bestpreis-Tickets auf den innerdeutschen Verbindungen. (ish)

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