Aktualisiert 19.11.2007 08:19

Deutscher Dignitas- Ableger offenbar bald aktiv

Die Sterbehilfeorganisation Dignitate soll einen Mediziner gefunden haben, der in Deutschland einem Schwerkranken beim Suizid helfen will.

Die «Frankfurter Rundschau» (Montagausgabe) berichtete, dies habe der Berliner Arzt Uwe-Christian Arnold bestätigt. Arnold ist im Vorstand von Dignitate, dem deutschen Ableger der Schweizer Organisation Dignitas.

Dignitas war nicht nur wegen umstrittener Sterbeorte wie Hotels oder Parkplätze in die Kritik geraten, sondern auch wegen fehlender Transparenz in der Rechnungsführung. Dignitas-Gründer Ludwig Minelli, der auch Dignitate-Chef ist, hatte zuvor gesagt, man habe in Deutschland jemanden gefunden, «der eine Sterbebegleitung machen und das Risiko der Strafverfolgung auf sich nehmen will». Laut Minelli, der den Selbstmord als Menschenrecht betrachtet, führte Dignitas im vergangenen Jahr 195 Sterbebegleitungen durch, 57 Prozent der Sterbewilligen seien aus Deutschland gekommen.

Bei dem nun gefundenen deutschen Arzt handelt sich laut Bericht um einen Ruheständler, der mit der geplanten Aktion nicht seine ärztliche Zulassung riskiere. Wo in Deutschland die Sterbehilfe stattfinden solle, habe Arnold nicht verraten wollen. In diesem Jahr werde es aber nicht mehr dazu kommen.

Das in der Schweiz von Dignitas verwendete Narkotikum Natrium-Pentobarbital ist laut Arnold in Deutschland nicht für Menschen zugelassen. Daher müsse ein anderes Mittel angewandt werden. Man wolle einen «hieb- und stichfesten Fall» dokumentieren, «sonst kommen wir nicht weiter». Ziel sei es, den ärztlich assistierten Freitod aus der rechtlichen Grauzone herauszuholen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2002 den Mitgliedstaaten das Recht zugestanden, über die Sterbehilfe selbst zu entscheiden. Ein Grundrecht auf Selbstmord lässt sich laut herrschender Rechtsmeinung aus den bisher in Deutschland ergangenen Urteilen nicht ableiten. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.