Aktualisiert 19.02.2014 09:46

Wegen AbstimmungDeutscher Dozent schmeisst den Bettel hin

Nach dem Ja zur Zuwanderungsinitiative hat der deutsche ETH-Dozent Christoph Höcker genug: Der Archäologe hat seinen Job an der ETH Zürich gekündigt.

von
Marco Lüssi

Der Deutsche Christoph Höcker (57) hat seit dem Jahr 1999 einen Lehrauftrag am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur an der ETH Zürich. Doch nun hat er genug. Er teilte seinen Studenten am Dienstag mit, dass er gekündigt habe.

«Dazu hat mich das Ja der Schweiz zur SVP-Initiative gegen die Masseneinwanderung bewogen», sagt der renommierte Archäologe und Sachbuchautor zu 20 Minuten. «Ich will mich dem zunehmend fremdenfeindlichen Klima in der Schweiz nicht mehr aussetzen.»

Auch das «ständige Deutschen-Bashing» in der Schweiz habe ihn schon länger gestört – auch wenn er sich immer bemüht habe, es mit Humor zu tragen. Dass die Deutschenfeindlichkeit auch in Gewalt ausarten kann, hat er persönlich erlebt: «Im Jahr 2010 wurde mein in Zürich parkiertes Auto mit deutschen Nummernschildern völlig demoliert», so Höcker. Seine Anzeige bei der Polizei sei danach im Sand verlaufen.

Mit seinen Zürcher Studenten hingegen habe er nie negative Erlebnisse gehabt, betont Höcker, der im deutschen Augsburg lebt und auch dort an der Uni unterrichtet. Seit er ihnen seine Kündigung mitgeteilt hat, habe er bereits über 50 Reaktionen erhalten. «Alle teilten mir mit, dass sie meinen Entscheid bedauern, und bitten mich, ihn noch einmal zu überdenken.»

«Ein Bauernbub aus Obwalden bekommts auch hin»

Höckers Entschluss, der Schweiz den Rücken zu kehren, steht jedoch fest. «Und ich bin sicher, dass auch viele andere ausländische Wissenschaftler, die in der Schweiz forschen und lehren, über den gleichen Schritt nachdenken – wer es sich wie ich leisten kann, wird gehen.» Denn die Schweizer Unversitäten seien zwar gut: «Aber woanders, beispielsweise in Kalifornien, findet man auch gute Bedingungen.»

Den Kurs, den er an der ETH erteilt, könne ein «Bauernbub aus Obwalden» sicher auch ordentlich hinbekommen, schreibt Höcker im Mail an seine Studenten ironisch.

Bei der ETH Zürich will man sich zur Kündigung von Höcker nicht äussern. Die Medienbeauftragte Franziska Schmid sagt: «Zu personellen Angelegenheiten nehmen wir grundsätzlich keine Stellung.»

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