80 Meter Geschichte: Deutscher entdeckt Teil der Berliner Mauer
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80 Meter GeschichteDeutscher entdeckt Teil der Berliner Mauer

80 Meter lang ist das Mauerstück bei Pankow-Schönholz in Berlin. Entdecker Christian Bormann ist sich sicher: Das ist ein Originalteil der Berliner Mauer.

von
Meret Steiger
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Fast dreissig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ist die Entdeckung eines womöglich bislang unbekannten Abschnitts aus den frühesten Tagen der Sperranlage bekannt geworden: ein etwa 80 Meter langes Stück Berliner Mauer in einem Waldgebiet in Pankow.

Fast dreissig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ist die Entdeckung eines womöglich bislang unbekannten Abschnitts aus den frühesten Tagen der Sperranlage bekannt geworden: ein etwa 80 Meter langes Stück Berliner Mauer in einem Waldgebiet in Pankow.

Keystone/AP/Maurizio Gambarini
Gefunden hat es der Heimatforscher Christian Bormann – allerdings bereits 1999. Bis heute behielt er seine Entdeckung aber für sich.

Gefunden hat es der Heimatforscher Christian Bormann – allerdings bereits 1999. Bis heute behielt er seine Entdeckung aber für sich.

Maurizio Gambarini
Das Mauerstück steht im Norden von Berlin.

Das Mauerstück steht im Norden von Berlin.

Maurizio Gambarini

Bereits 1999 fiel sie dem Berliner Heimatforscher Christian Bormann das erste Mal auf: Im Norden von Berlin, bei Pankow-Schönholz, steht ein aussergewöhnliches Stück Mauer. Es handelt sich dabei höchstwahrscheinlich um das letzte noch existierende Stück der Berliner Mauer im Originalzustand.

«Im Originalzustand» bedeutet in diesem Fall, dass es sich um die erste Generation der Behelfsmauer handelt – komplett mit Stacheldraht und Alarmdrähten. Beim Bau der Mauer ab 13. August 1961 musste es schnell gehen, deswegen wurden diverse bestehende Bauwerke in den Mauerbau miteinbezogen.

So sind Teile der 80 Meter langen Mauer die Aussenwände von zerbombten Häusern. Zerstörte Teile wurden mit weissen Steinen aufgemauert, Lücken geschlossen. Die Trümmerreste wurden dabei einfach auf der anderen Strassenseite aufgeschichtet.

Direkt neben dem Fluchttunnel

Die Mauer steht nur 200 Meter neben dem bekanntesten Fluchttunnel der DDR, durch den die meisten Leute entkamen: dem Pankower Friedhofstunnel, versteckt hinter dem Grabstein einer gewissen Maria Liedtke. Hier gelang bis zu hundert Bewohnern der DDR die Flucht nach West-Berlin.

Das fiel aber auf: Angeblich war eine Patrouille beim Gang entlang der Friedhofsmauer plötzlich in ein tiefes Loch gestürzt, das mit getrocknetem Efeu bedeckt war. Der Friedhof wurde geräumt, um einen Todesstreifen zu errichten. Es wurde eine Grenzanlage gebaut. Rückwärtig gab es keine Mauer, nur ein S-Bahn-Trassee.

Mauer steht nur durch Zufall noch

Diesem S-Bahn-Trassee ist es teilweise zu verdanken, dass der Mauerabschnitt bei Schönholz heute noch steht: Als die Mauer abgetragen wurde, wurde nur der bekannte und gut sichtbare Mauerteil niedergerissen – das kleine Stück auf dem Eckgrundstück ging schlicht vergessen.

Christian Bormann liegt auch einiges daran, dass die Mauer weiterhin erhalten bleibt. Zwar hielt er seine Entdeckung fast zwei Jahrzehnte geheim, geht damit aber jetzt an die Öffentlichkeit – er befürchtet, die Mauer könnte aufgrund ihres desolaten Zustandes eines Tages abgerissen werden

Denkmalschutz für den letzten Mauerteil?

Bormann sagt auf seinem Blog: «In meinen Augen handelt es sich hierbei um ein Bauwerk von herausragender kultureller Bedeutung und damit von besonderem historischem Wert. Ich hoffe, dass die zuständigen Ämter meine Begeisterung teilen und zeitnah tätig werden.»

Nach der Veröffentlichung der Bilder hat sich Bormann mit dem Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie sowie der Pressestelle des Bezirksamt Pankow in Verbindung gesetzt und die Ämter über seinen Fund informiert. Und darum gebeten, sich für den Schutz dieser historischen Mauer einzusetzen.

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