Deutscher fordert: Bombt Bayreuth statt Beirut
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Deutscher fordert: Bombt Bayreuth statt Beirut

Schon wieder sorgt ein satirischer Artikel der (taz) für Aufregung: Der Autor Wiglaf Droste hatte am vergangenen Freitag in seinem Beitrag die israelische Armee aufgefordert, statt Beirut «die namensähnliche deutsche Kleinstadt Bayreuth» zu bombardieren.

Droste begründete das mit der Existenz der Richard-Wagner-Festspiele, die derzeit zum 95. Mal in der oberfränkischen Stadt stattfinden.

«Der Antisemitismus ist immer virulent, wo Wagner bramarbasiert wird», schreibt Droste in seinem namentlich gekennzeichneten Kommentar und appelliert an das israelische Militär: «Machen Sie aus der Schäferhundebesitzerkulturhochburg Bayreuth das, was diese ihrem Wesen nach ohnehin ist: ein geistloses Erdloch.» In einem am Montag veröffentlichten Interview des lokalen «Nordbayerischen Kuriers» beteuert nun der für seine bissigen Texte bekannte Satiriker: «Ich hasse Bayreuth überhaupt nicht.» Droste bestätigt aber den Erhalt kritischer Leserbriefe, von denen in einem stehe: «73.000 Bayreuther sind pauschal beleidigt».

Vor dem Verfassen des umstrittenen «taz»-Textes hat der Autor nach eigenem Bekunden «noch mit grossem Vergnügen das Vorspiel zum ersten Aufzug von 'Parsifal' gehört und den 'Karfreitagszauber' - grossartige Musik.» Droste will gleichwohl nicht von seinem Text abrücken: «Dieser schnelle, harte Schuss war beabsichtigt. Und ich finde es immer schön, wenn man Humorgrenzen testen kann.» Im Presseamt der Stadt Bayreuth nimmt man die Angelegenheit gelassen auf, wie ein Sprecher zur Nachrichtenagentur AP sagt: «Wir haben auf diese in Anbetracht der aktuellen Ereignisse im Libanon grenzwertige Satire bislang nicht reagiert und nicht die Absicht, das zu tun.»

Attacke gegen Festspielbesucher

Allerdings ist der Droste-Artikel auch jetzt erst einem breiteren Publikum in der Wagner-Stadt bekannt geworden. Weit mehr als die Einwohner Bayreuths dürften sich ohnehin die Festspielbesucher getroffen fühlen, wenn sie in der «taz» lesen mussten: «Es ist ein prächtiger Arschgeigenreigen, der sich jährlich in Bayreuth aufmandelt und aufmauschelt: Autohausbesitzet, die in Kultur machen, Damen wie Mutti Roth, Muschi Stoiber oder Gewaltaprikose Angela Merkel, und obendrein reicht man die dazu passenden Künstlerhalunken».

Gleichwohl lässt Droste in dem Interview eigenes Interesse an einem Besuch im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel erkennen: «Oper im Radio zu hören, ist Unsinn. Eigentlich muss man sich das so anschauen, wie es gedacht ist. So gesehen habe ich noch etwas vor mir.» Ob sich die Aussichten des Satirikers auf eine der begehrten Festspielkarten nach seinem Artikel allerdings verbessert haben, darf durchaus bezweifelt werden. (dapd)

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