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DiskuswerfenDeutscher Goldjubel eckt bei Iraner an

Auf welch kreative Art man seine Freude über den Olympiasieg ausdrücken kann, zeigt Diskuswerfer Robert Harting. Damit stösst er aber beim Zweitplatzierten auf Unverständnis.

von
ivb

Es war kein überragender Wurf, der Robert Harting zum Olympiasieger machte. Er schoss die Scheibe «nur» 68,27m weit. Normalerweise fliegt sie bei ihm weiter. Über den Wurf selber wird niemand lange reden.

Anders verhält es sich mit der unkonventionellen Art sich zu freuen, die Harting an den Tag gelegt hat. Der Deutsche zerriss sein Leibchen, schnappte sich die deutsche Flagge, hüpfte ein paar Mal wild herum, bevor er als Ehrenrunde einen Hürdenlauf absolvierte.

Reagiert man so auf olympisches Gold? Der zweitplatzierte Ehsan Hadadi findet nicht: «Das hat mir nicht gefallen. Die Leute in Deutschland sind so liebevolle Menschen, warum zerreist er da sein Shirt, auf dem Deutschland steht? Das verstehe ich nicht.» Dies sagte der Iraner nach dem Wettkampf.

Feier mit 40 Kollegen

Wie auch immer, Harting war der Beste, und das legitimiert so einiges. Der Berliner hatte sich selber im Vorfeld der Olympischen Spiele solch einen Druck auferlegt, dass nach dem Sieg wohl eine riesige Last von seinen Schultern gefallen ist. Er hat im letzten Herbst in einem Interview gesagt, dass er den Olympiasieg braucht, um nicht zu zerbrechen. «Und wenn ich später im Rollstuhl sitze: Ich will dieses verdammte Gold.»

Harting ist für sein extrovertiertes Jubeln schon lange bekannt. Letztes Jahr an der Weltmeisterschaft riss er sich auch das Leibchen vom Körper und 2009 kreuzte während der Siegesfreuden ein Maskottchen seinen Weg, das er zur Feier des Tages buckelte.

Zusammen mit 40 Freunden, die Harting nach London eingeladen hat, hat der Deutsche seine Goldmedaille in der Nacht auf Mittwoch gefeiert. Dabei wurde er bestohlen. «Alle Akkreditierungen und Ausrüstung wurden mir geklaut. Ich hatte sie abgelegt, als ich mich den Gästen gewidmet habe. Danach bin ich nicht mehr ins olympische Dorf gekommen. Ich habe nur eine Stunde in der Bahn auf dem Stuhl geschlafen», erklärte Harting.

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