Schweizer Stauseen: Deutscher Gratis-Strom erfreut Axpo und Co.

Aktualisiert

Schweizer StauseenDeutscher Gratis-Strom erfreut Axpo und Co.

Deutschland produziert zu viel Ökostrom. Während Spitzenzeiten werden Schweizer Stauseen deshalb gratis aufgefüllt.

von
Alex Hämmerli
Schweizer Stauseen (Bild: Limmerensee GL) pumpen mit dem Gratis-Strom Wasser den Berg hinauf. (Key)

Schweizer Stauseen (Bild: Limmerensee GL) pumpen mit dem Gratis-Strom Wasser den Berg hinauf. (Key)

Die Energiewende treibt merkwürdige Blüten: Weil in Deutschland zu Spitzenzeiten wegen Subventionen mittlerweile mehr Solar- und Windenergie produziert wird, als ­Industrie und Haushalte brauchen, müssen Stromhersteller ihren Saft verschenken. Während einiger Stunden pro Jahr sind die Preise an der Strombörse in Leipzig sogar negativ: Denn das Netz wäre überlastet, wenn man keinen Abnehmer fände. Das freut die Schweizer Betreiber von Stauseen: Sie nutzen den Gratis-Strom, um Wasser den Berg hochzupumpen. Und wenn der Preis wieder hoch ist, fliesst der teure Strom zurück ins Netz. «Wir schlagen Profit daraus», be­stätigt Andreas Meier von Alpiq.

Wie viel Geld die Schweizer Energiekonzerne an den Stromgeschenken ver­dienen, können oder wollen die drei Marktführer Axpo, Alpiq und BKW nicht sagen. Stephan Kohler, Chef der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur befürchtet aber, dass sich der «Missstand» weiter verschärfen wird, weil die Produktion von Ökostrom steigt. «Das ist aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll, zumal Wind- und Sonnenenergie mit rund 8,5 Milliarden Euro pro Jahr subventioniert werden», so Kohler zur Zeitung «Bild». Der Chef des deutschen Stromkonzerns RWE, Jürgen Grossmann, doppelt nach: «Wir dürfen den von den deutschen Verbrauchern finanzierten grünen Strom nicht verschenken.» Man müsse deshalb möglichst schnell weitere Stromspeicher im eigenen Land bauen.

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