Journalisten spitalreif geprügelt: Deutscher Neonazi arbeitet jetzt im Oberwallis
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Journalisten spitalreif geprügeltDeutscher Neonazi arbeitet jetzt im Oberwallis

Zwei Journalisten wurden vor einem Jahr von zwei Neonazis in Deutschland spitalreif geprügelt. Momentan warten sie auf ihren Prozess. Einer der Täter lebt und arbeitet derzeit in Visp VS.

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Im deutschen Fretterode warteten zwei Journalisten vor dem Haus von Thorsten Heise, um zu dokumentieren, wer alles an einem Treffen für die Vorbereitungen einer kommenden Demonstration teilnehmen würde.

Im deutschen Fretterode warteten zwei Journalisten vor dem Haus von Thorsten Heise, um zu dokumentieren, wer alles an einem Treffen für die Vorbereitungen einer kommenden Demonstration teilnehmen würde.

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Thorsten Heise ist ein bekannter deutscher Neonazi und Mitglied im Bundesvorstand der NPD.

Thorsten Heise ist ein bekannter deutscher Neonazi und Mitglied im Bundesvorstand der NPD.

Wikipedia / Erik-Hilm Langhof
Die Journalisten wurden bemerkt und mit dem Auto bis Hohengarden DE verfolgt. Die Verfolgungsjagd endete, als das Auto der Journalisten in einem Graben landete. Danach wurden sie von zwei Angreifern mit Baseballschläger und Schraubenschlüssel spitalreif verprügelt.

Die Journalisten wurden bemerkt und mit dem Auto bis Hohengarden DE verfolgt. Die Verfolgungsjagd endete, als das Auto der Journalisten in einem Graben landete. Danach wurden sie von zwei Angreifern mit Baseballschläger und Schraubenschlüssel spitalreif verprügelt.

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Zwei freie Journalisten wurden im April 2018 in Thüringen von zwei maskierten Männern mit Baseballschlägern und Schraubenschlüssel verfolgt und verprügelt. Die Journalisten berichten seit Jahren über die deutsche Neonazi-Szene. Sie hatten von einer anstehenden Demonstration gehört und warteten vor dem Haus von Thorsten Heise, einem bekannten deutschen Neonazi, um zu dokumentieren, wer alles am Treffen für die Vorbereitungen teilnehmen würde.

Anschliessend kam es zum Vorfall. Die Journalisten wurden von einem Auto verfolgt, und als ihr Wagen bei der Verfolgungsjagd in einem Graben landete, wurden sie angegriffen und schwer verletzt. Die beiden Angreifer sind bekannte Rechtsextreme in Deutschland und längst identifiziert. Sie warten momentan auf ihren Prozess. Einer der Täter, N. H., ist der Sohn von Thorsten Heise.

Einer der Angreifer lebt in Visp

Wie gemeinsame Recherchen der Zeitung «WOZ» und von antifaschistischen Gruppen ergeben haben, macht H. zurzeit eine Ausbildung als Heizungsinstallateur bei einem Gebäudetechnik-Unternehmen in Visp VS. Auf Anfrage der Zeitung gab die Firma lediglich an, man habe «keine Kenntnis, dass sich Angestellte von uns in einem radikalen Umfeld bewegen», und kontrolliere auch nicht «die Freizeitaktivitäten unserer Angestellten». Dennoch wurde das Porträt von H. von der Firmenwebsite entfernt.

Ein alter Bekannter von Thorsten Heise, S. G., arbeitet im gleichen Unternehmen wie der Täter, wie die «WOZ» weiter schreibt. Ersterer besuchte in der Vergangenheit von Heise organisierte Festivals der Neonazi-Szene, ist Mitglied der Rechtsrock-Band Helvetica und war Konzertveranstalter in der Blood-&-Honour-Szene.

«Die Schweizer rechtsextreme Szene ist im Aufwind»

Laut der deutschen Rechtsextremismus-Expertin Martina Renner dienen Konzerte und Festivals der Vernetzung, Finanzierung und für Zusammenkünfte von Neonazis. Blood & Honour ist eine der wichtigsten Strukturen in der gewalttätigen Neonazi-Szene. Laut Exif, einer antifaschistischen Rechercheplattform, ist der Walliser S. G. ein Aktivist von Combat 18, dem bewaffneten Arm der Blood & Honour.

Im Lagebericht «Sicherheit Schweiz» schreibt der Nachrichtendienst des Bundes, dass «die Schweizer rechtsextreme Szene im Aufwind ist». Wie Geheimdienstchef Jean-Philippe Gaudin im Interview mit der «NZZ» sagte, ist die linksextreme Szene aber international besser vernetzt. Und: «Das Bedrohungspotenzial der gewalttätigen Linksextremisten ist grösser.»

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