Aktualisiert 04.06.2015 05:57

Familie weiß nichts

Deutscher Thaibox-Meister kämpft für IS

Valdet Gashi war deutscher Meister im Thaiboxen. Dann entdeckte er den Islam – nun kämpft er in Syrien für den IS.

von
hal
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Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi in Syrien. Radikalisiert hat er sich offenbar in Thailand und dann in der Schweiz, wo er in Winterthur junge Thaiboxer trainierte. Drei seiner Schüler sollen sich ebenfalls dem IS angeschlossen haben.

Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi in Syrien. Radikalisiert hat er sich offenbar in Thailand und dann in der Schweiz, wo er in Winterthur junge Thaiboxer trainierte. Drei seiner Schüler sollen sich ebenfalls dem IS angeschlossen haben.

Screenshot SRF1
Die Schweizer TV-Sendung «Rundschau» konnte 90 Minuten lang mit Gashi ein Skype-Interview führen.

Die Schweizer TV-Sendung «Rundschau» konnte 90 Minuten lang mit Gashi ein Skype-Interview führen.

Screenshot SRF1
Hier posiert Gashi mit einer IS-Flagge.

Hier posiert Gashi mit einer IS-Flagge.

Screenshot SRF1

Valdet Gashi ist verheiratet und hat zwei kleine Töchter. Doch Anfang des Jahres, nur wenige Monate nach der Geburt des zweiten Kindes, hat er die Familie verlassen: Der Mann aus Baden-Württemberg kämpft seither in Syrien für den IS.

Gashi wurde im Kosovo geboren, mit sechs Jahren kam er nach Deutschland. Bekannt wurde er von Singen aus als Kampfsportler: 2009 wurde Gashi deutscher Meister in den Sportarten K1 und Kickboxen. Im selben Jahr gewann er auch die K1-Europameisterschaft.

Damals war er noch nicht gläubig: «Ich hatte keine Ahnung vom Islam», sagt er in einem Youtube-Video. Er ging nach Thailand, wo er die Religion entdeckte. Später gründete er in der Schweiz die Kampfsportgruppe MMA Sunna.

Familie weiß von nichts

Dort hat offenbar nicht nur er sich radikalisiert, sondern auch seine Schüler: Mindestens drei Jihad-Reisende haben beim ihm trainiert. Sie alle beteten auch am gleichen Ort, in der An'Nur-Moschee in Winterthur. Einer von ihnen, Hajan, soll bereits im Jihad gefallen sein.

Die Schweizer TV-Sendung «Rundschau» berichtet, Valdet Gashi habe sich nun ebenfalls der Terrororganisation Islamischer Staat angeschlossen. Und zwar heimlich: Seine Familie in Singen glaubte, er sei in Südthailand.

Schmuggler und Spione jagen

Die Moderatoren der Sendung sprachen via Skype mit ihm. Natürlich würde er gerne seine Kinder im Arm halten, sagt er. Doch: «Ich möchte helfen, weil wie es im Islam gelehrt wird, die Muslime untereinander sind Geschwister. Das Blut von meinem muslimischen Bruder oder meiner muslimischen Schwester ist genau so viel wert wie mein Eigenes. Wie kann ich in Ruhe mit meiner Familie leben und meine Geschwister dort ignorieren?» Und er fügt an: «Wenn ich Gutes tue und dabei sterbe, wäre ich natürlich froh darüber.»

In Syrien patrouilliere er entlang des Euphrats und spüre Schmuggler und Spione auf. In Singen ahnte man davon nichts. Obwohl Gashi zuvor als Missionar in der Stadt Korane verteilte. Noch im Februar 2015 verlieh ihm der Oberbürgermeister das Gold-Abzeichen für den besten Singener Sportler.

Seine Eltern können die Entscheidung ihres Sohnes nicht verstehen: «Sein Platz ist bei seinen Kindern, seiner Frau und bei uns.» Vater Enver Gashi: «Ich wünsche mir, dass er keinen Blödsinn macht – und dass er irgendwann wieder zu uns zurückkehrt. Weil sein Platz hier ist und nicht irgendwo anders.»

Hier spricht Gashi darüber, wie er den Islam entdeckte:

Gashi konnte im Thaiboxen mit der Weltelite mithalten. In diesem Video sieht man, wie er einen Kontrahenten K.O. schlägt:

2011 war Gashi auf dem Höhepunkt seiner Karriere und liess sich ausführlich portraitieren:

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