Doping-Bekenntnisse im Reitsport: Deutscher Verband löst Nationalmannschaft auf

Aktualisiert

Doping-Bekenntnisse im ReitsportDeutscher Verband löst Nationalmannschaft auf

Springreiter Ludger Beerbaum wird beim CSIO St. Gallen nicht wie vorgesehen im deutschen Team starten. Der deutsche Verband hat ihn nach Doping-Bekenntnissen in einem Interview suspendiert. Zudem löste der Verband als Folge von Beerbaums Aussagen sein Spitzenkader auf.

Wegen eines Interviews in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» hat ihn die Reiterliche Vereinigung FN vorerst für die Teilnahme an sämtlichen Nationenpreisen suspendiert.

Beerbaum hatte der «FAZ» im Zusammenhang mit verbotener Medikation, Manipulation und Doping im Pferde-Spitzensport gesagt: «Im Laufe der Jahre habe ich mich darauf eingerichtet, auszuschöpfen, was geht... In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird.»

Wer Beerbaum am CSIO St. Gallen vom 4. bis 7. Juni ersetzen wird, muss der neue Equipenchef Otto Becker bis am Freitag bestimmen.

Deutsche Kader aufgelöst

Mit beispiellosen Massnahmen hat die FN auf die jüngsten Enthüllungen und Doping-Diskussionen reagiert und mit sofortiger Wirkung die Kader der olympischen Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit (Concours Complet) aufgelöst.

Das Gremium reagierte damit vehement auf Beerbaums umstrittene Aussagen am vergangenen Wochenende über den Umgang von Medikamenten bei seinen Pferden.

«Mit der Auflösung der Kader möchten wir einen wichtigen Schritt Richtung Glaubwürdigkeit unternehmen», sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau. Bevor ein Reiter wieder in ein Kader aufgenommen werden könne, müsse er sich einer Sonderkommission stellen und sich zu seiner Einstellung sowie seinem Verhalten als Spitzenreiter äussern, so der Verbandschef weiter.

Verbandsfunktionäre und Reiter würden von einer unabhängigen Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes untersucht. Diese Kommission erhalte den Auftrag, die Situation im Spitzenreitsport zu analysieren und dem Verband Empfehlungen zu geben, wie mit der aktuellen Manipulations- und Dopingproblematik im Pferdesport umzugehen sei.

ARD und ZDF hatten am Mittwoch den deutschen Reiterverband unter Druck gesetzt. Die Sender wollten die anstehenden Verhandlungen über die Verlängerung des TV-Vertrages aufgrund der aktuellen Enthüllungen vorerst nicht verlängern.

(si)

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