Prozessauftakt – Christoph Metzelder gesteht Besitz und Weitergabe von Kinderpornografie

Aktualisiert

ProzessauftaktEx-Fussballer Metzelder gesteht Besitz und Weitergabe von Kinderpornografie

Im Prozess um den Besitz und die Weitergabe von Kinderpornografie hat der ehemalige Profifussballer Christoph Metzelder ein Geständnis abgelegt.

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Steht ab heute, Donnerstag vor Gericht:  Der ehemalige deutsche Fussball-Nationalspieler Christoph Metzelder.

Steht ab heute, Donnerstag vor Gericht: Der ehemalige deutsche Fussball-Nationalspieler Christoph Metzelder.

Oliver Killig/dpa
Die Ermittler werfen dem 40-Jährigen vor, es unternommen zu haben, einer Person Besitz an kinderpornografischen Schriften verschafft zu haben.

Die Ermittler werfen dem 40-Jährigen vor, es unternommen zu haben, einer Person Besitz an kinderpornografischen Schriften verschafft zu haben.

Rolf Vennenbernd/dpa
Ausserdem lautet die Anklage auf Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Ausserdem lautet die Anklage auf Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Rolf Vennenbernd/dpa

Darum gehts

  • Heute, Donnerstag begann in Düsseldorf gegen Christoph Metzelder der Prozess um Kinderpornographie.

  • Der ehemalige deutschen Fussballprofi und Vize-Weltmeister von 2002 legte ein Teilgeständnis ab.

  • Metzelder soll 297 strafbare Dateien auf seinem Handy gehabt haben.

Er war sogar im Gespräch für das Amt des Präsidenten des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), doch dann kam der 4. September 2019.

Einen Tag zuvor hatten Ermittler den deutschen Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder im Fussballlehrer-Lehrgang des DFB in der Stadt Hennef abgepasst. Zimmer und Wohnung Metzelders wurden durchsucht und rasch wurde es publik: Gegen den Vize-Weltmeister von 2002 wird wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt, wie es damals hiess.

Weiterleitung ja, Besitz nein

297 strafbare Dateien soll er auf seinem Handy gehabt haben. 29 Dateien soll er an drei Frauen verschickt haben. Gut eineinhalb Jahre später begann heute, Donnerstag in Düsseldorf der Strafprozess gegen Metzelder. In diesem legte der 40-Jährige nun ein Teilgeständnis ab. «Ich habe auf frei zugänglichen Internetseiten inkriminierte Bilder besorgt, Screenshots gemacht, ich habe im Chat Extremfantasien ausgetauscht», sagte Metzelder am ersten Verhandlungstag.

Die Faszination habe «in der Grenzüberschreitung gelegen», nicht in den Darstellungen schwersten sexuellen Missbrauchs selbst, sagte Metzelder. Es habe weder Übergriffe gegenüber Kindern und Jugendlichen gegeben, noch seien welche geplant gewesen. «Das hat ausschliesslich in einer digitalen Parallelwelt stattgefunden», sagte der 40-Jährige.

Er habe die Dateien verschickt, «obwohl ich weiss, welches unsägliche Leid gegenüber Kindern hinter jeder Datei steckt». Er werde die Strafe akzeptieren. Die Anwesenden bat er stellvertretend für alle Opfer sexueller Gewalt um Entschuldigung. «Ich hinterlasse eine Wunde, die niemals verheilen wird», sagte Metzelder. «Damit werde ich für den Rest meines Lebens leben müssen.»

Das Amtsgericht hatte für den Fall eines Geständnisses eine Haftstrafe zwischen zehn und zwölf Monaten auf Bewährung in Aussicht gestellt. Es hatte betont, dass der frühere Fussball-Nationalspieler bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens als unschuldig gilt.

Er sei «natürlich nicht pädophil»

Vor wenigen Tagen hatte sein Verteidiger Ulrich Sommer erstmal das lange Schweigen gebrochen und nahm zu den Vorwürfen öffentlich Stellung: «Er weiss, was er gemacht hat. Er weiss auch, dass man das als Fehler bezeichnen kann», sagte Strafrechtsprofessor Sommer dem Fernsehsender RTL. Metzelder sei aber «natürlich nicht pädophil».

«Das weiss auch die Staatsanwaltschaft. Es fehlen alle kriminologischen Anhaltspunkte dafür. Er hat nichts aus dem Darknet, ist nicht in irgendwelchen Chatgruppen gewesen.» Die Bilder, um die es gehe, seien Screenshots frei verfügbarer Bilder.

Gegen Metzelder war von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft Anklage erhoben und diese vom Amtsgericht zugelassen worden. Die Ermittler werfen dem 40-Jährigen vor, es unternommen zu haben, einer Person Besitz an kinderpornografischen Schriften verschafft zu haben. Ausserdem lautet die Anklage auf Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften.

Der 40-Jährige sei «über sich selbst erschrocken», sagte sein Anwalt. Er habe «so etwas wie ein Doppelleben» geführt. «Irgendwann gibt es diesen Kick auch mit Dingen, die man tunlichst nicht angefasst haben sollte», so Sommer, der auch bestätigte, dass Metzelder inzwischen in Therapie sei. Dabei gehe es «um Sexualität und Umgang mit Frauen».

Strafbefehl gegen Hauptbelastungszeugin

Unterdessen wird die Staatsanwaltschaft in dem Prozess vermutlich ohne die Hauptbelastungszeugin auskommen müssen. Gegen die Hamburgerin, die eine Affäre mit Metzelder gehabt haben soll, war ein Strafbefehl in Höhe von 1000 Euro erlassen worden, gegen den sie Einspruch eingelegt hat.

Nun hat Verteidiger Sommer nachgelegt: Das Handy Metzelders halte er als Beweismittel für nicht zulässig, sagte er der «Welt am Sonntag» zufolge. «Einen Durchsuchungsbeschluss hatten die Beamten nur für Düsseldorf, nicht aber für Hennef. Ohne eine richterliche Genehmigung haben sie dort das Zimmer meines Mandanten durchsucht und sein Handy beschlagnahmt.»

Metzelder hatte eine eigene Stiftung für Kinder gegründet und sich mit ihr auch für die Bekämpfung von Kindesmissbrauch engagiert. Nach Bekanntwerden der Ermittlungen hatte er Positionen und Ämter ruhen lassen und die von ihm mitgegründete PR-Agentur verlassen. Seine Teilnahme am Fussballlehrer-Lehrgang des DFB hatte er ausgesetzt. Der Vize-Weltmeister von 2002 spielte als Profi für Preussen Münster, Borussia Dortmund, Real Madrid und Schalke 04. In Deutschland und Spanien gewann er die Meisterschaft. Mit Schalke wurde er Cupsieger.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Online- und Einzelchatberatung für Kinder und Jugendliche

Opferberatungsstelle Kinderspital Zürich

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du beim Institut Forio und bei den UPK Basel.

(dpa/erh)

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