Aktualisiert 08.06.2008 12:10

Euro 2008«Deutsches Fähnchen? - Würde ich nie wagen!»

Wer glaubt, die Deutschen seien arrogant, der könnte falscher nicht liegen. Denn die Deutschen in der Schweiz bewegt in den Euro-Tagen lediglich ein Gefühl: Angst um Leib und Gut.

von
Susanne Lüthi

20 Minuten Online wagte die Frage, weshalb die vielen Deutschen in der Schweiz sich nicht zu ihrer Fussball-Nati bekennen und keine deutschen Flaggen an Autos und Fassaden prangen. Aus dem rege benützten Talk-Back wird schnell klar: Die Deutschen, die bei uns leben, haben angst.

Und zwar um Leib...:

Peter Braun: «Bin nicht lebensmüde...

Ich lebe schon lange ohne Probleme in der Schweiz, würde es aber nie wagen, ein deutsches Fähnchen ans Auto zu montieren. Viel zu grosses Risiko!»

... und Gut:

Werner: «Mir wurde an der WM auch das Fahrzeug verkratzt. Schon krass, trotz allem stehe ich zu meiner zweiten Heimat Deutschland! Gruss aus Basel

Bianka: «Meine Fahne hielt auch nur drei Tage am Auto... Dann wurde sie abgebrochen... Schade.»

Wer das Abenteuer sucht

Einer, der weiss, wovon er spricht, ist Jens Wiese, ein Deutscher, der seit sieben Jahren in der Schweiz lebt. Und genau dies ist auch sein Thema auf www.blogwiese.ch. Wieselschnell hat er unseren Artikel aufgenommen und kommentiert: «Nachts durch Harlem wandern, im Iraq mit einem Kruzifix herumlaufen, eine Kreuzfahrt vor dem Horn von Afrika unternehmen oder mit Deutschlandflaggen in der Schweiz herumfahren. Wer etwas Spannendes erleben will, hat die freie Auswahl.»

Michi: «Ich wurde schon letzte WM im Deutschlandtrikot beschimpft. Schämt euch ihr Neidgenossen.»

WM 2006 als Lehre

Die negativen Erfahrungen sammelte Jens Wiese während der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren: Als er mit Kumpels nach dem siegreichen Spiel gegen Schweden im Zürcher Unterland Autokorso fuhren, wurden sie vom Strassenrand aus beschimpft, bekamen den Vogel gezeigt.

Frau Wiese wurde, als sie mit dem beflaggten Wagen über die Autobahn fuhr, «so brutal abgedrängt und zum Anhalten gezwungen, dass sie danach nicht mehr mit Flagge fahren wollte.»

Jens Wiese denkt, dass viele Deutsche aus ihren negativen Erlebnissen die Konsequenzen gezogen haben und zusätzlich eine Schweizer «Beschwichtigungsflagge» flattern lassen.

Public Viewing ohne Wiese

Auf Anfrage von 20 Minuten Online bestätigte Herr Wiese den Tenor im Talk-Back, wusste aber auch zu relativieren: «Es ist schwer, das zu verallgemeinern. Viele Schweizer schreiben ja auch, dass sie sich schämen bzw. selbst im DE-Shirt rumlaufen wollen, aus Protest.» Trotzdem findet Wiese, dass «die Brutalität, die immer dann zum Vorschein kommt, wenn es um Deutschland als Fussball-Gegner geht, schon ziemlich erschreckend» sei. «Da hört der Spass auf, da gehe ich lieber ins Kino als zum Public Viewing.»

Gestehen Sie im Talk-Back

Nun, da wir wissen, wovon die Deutschen sich fürchten, wollen wir wissen, wer die Täter sind. Gestehen Sie: Verraten Sie uns Ihre Gründe, weshalb Sie den Deutschen den Autolack zerkratzen und deutsche Fähnchen abknicken! Gleichzeitig mit dem Ablegen des Geständnisses sollen Sie Besserung geloben und sich User Bruno Toblers Rat zu Herzen nehmen:

«Was da geschieht ist traurig. Ich kann nicht verstehen, dass man so auf die Flagge der Deutschen reagieret! Lasst doch auch ihnen ihren Nationalstolz! Die Schweizer Nati wird durch abgerissene Deutschlandflaggen nicht besser an den Spielen! Lasst den Unsinn und lasst uns zusammen feiern!»

Genau so wollen wir es halten!

Upload

Swisscom/Sunrise: MMS mit Stichwort Flagge an 2020 (CHF 0.70)

Orange: MMS mit Stichwort Flagge an 079 375 87 39 (CHF 0.70)

Per Internet: Upload

Vergessen Sie nicht, Ihren Namen und Ihre Adresse anzugeben sowie einige Angaben zum Bild (wer? wo? was?) zu machen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.