02.09.2014 06:18

Syrien und Irak

Deutsches Kanonenfutter für den IS

Fünf selbst ernannte deutsche Gotteskrieger sollen in Syrien und im Irak gestorben sein - von der Miliz «Islamischer Staat» als Selbstmordattentäter und Kanonenfutter eingesetzt.

von
gux

Die Terrorgruppe «Islamische Staat» IS setzt immer mehr radikale Islamisten aus Deutschland an der Front ein - als Kanonenfutter und Selbstmordattentäter. Denn den jungen Deutschen und selbst ernannten Dschihadisten fehlt es zwar nicht an Motivation, wohl aber an Kampferfahrung.

«Nach einer dreiwöchigen Grundausbildung kommen sie an die Front, sodass sie dort kaum eine Überlebenschance haben», sagt Burkhard Freier, Leiter des Verfassungsschutzes in Düsseldorf, der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Vom Pizzaboten zum Gotteskrieger

Am Sonntag wurde bekannt, dass der deutsche Konvertit Philip Bergner (27) aus Dinslaken vor drei Wochen ein Selbstmordattentat nahe der Stadt Mossul begangen hatte. Der einstige Pizzabote riss mindestens 20 Menschen mit in den Tod, als er ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in eine Stellung der kurdischen Peschmerga fuhr. Bergner war im Sommer 2013 nach Syrien gereist, wo er sich als Abu Osama dem IS anschloss.

Bergner ist nicht der Einzige: Nach Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz haben inzwischen fünf Männer aus Deutschland Selbstmordattentate im Irak und in Syrien verübt. Generell sei die Zahl deutscher Islamisten angestiegen und belaufe sich mittlerweile auf über 400 Personen.

Druck, damit Ausländer sich in die Luft sprengen

Doch nicht nur deutsche, auch französische, britische oder amerikanische Dschihadisten werden von den IS-Terroristen als Kanonenfutter oder Selbstmordattentäter missbraucht. Etwa Douglas McAuthur McCain (33) aus der Nähe von Minneapolis, der im August bei Gefechten mit der Freien Syrischen Armee umkam. Oder der 22-jährige Moner Mohammed Abusalha aus West Palm Beach in Florida. Er lenkte im Mai in der Provinz Idlib im Norden Syriens einen mit Sprengstoff beladenen Laster in ein Regierungsgebäude.

Laut dem deutschen Verfassungsschützer Freier spricht viel dafür, dass der IS Druck ausübe, damit westliche Ausländer sich zu solchen Selbstmordattentaten bereit erklärten.

In Bern geht der Nachrichtendienst davon aus, dass 15 Schweizer sich den Kämpfern in Syrien und im Irak angeschlossen haben.

Reisen nach Syrien und in den Irak: Tendenz steigend

Die Grausamkeit der IS-Kämpfer fasziniert viele junge Männer in der Szene. Für viele Salafisten seien das von der IS ausgerufene Kalifat und die militärischen Erfolge «ein zusätzliches Motiv, nun nach Syrien auszureisen», so Freier. Der Verfassungsschützer ist überzeugt: Solange der IS Erfolg hat und weiter aggressiv Propaganda betreibt, dürfte die Zahl junger Leute in radikalen Netzwerken wie auch deren Ausreise nach Syrien weiter steigen.

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