Holz statt Stein: Deutsches «Stonehenge» entdeckt

Aktualisiert

Holz statt SteinDeutsches «Stonehenge» entdeckt

Archäologen haben in Pömmelte bei Magdeburg nach eigenen Angaben eine Kultstätte entdeckt, die der im englischen Stonehenge ähnelt. Allerdings ist die Anlage nicht aus Steinen wie das Stonehenge sondern aus Holz.

«Es handelt sich um einen Schlüsselfund für das dritte Jahrtausend vor Christus», sagte Forschungsleiter Francois Bertemes am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Der Unterschied zu Stonehenge sei, dass die Anlage bei Magdeburg nicht aus Steinen, sondern aus Holz gebaut worden sei.

Sie sei vor rund 4250 Jahren entstanden und etwa 250 Jahre lang unter anderem für Opfer- und Totenrituale genutzt worden. Überirdisch ist von der Anlage nichts mehr erhalten. Archäologen entdeckten Umrisse des Baus mit einem Durchmesser von 115 Metern im Jahr 1991 bei Beobachtungsflügen.

Kalender?

In der Anlage sind Erdwälle, Gräben und Palisaden kreisförmig um eine gemeinsame Mitte angeordnet. In grossen, unregelmässigen Abständen standen Pfosten. Der Bochumer Astronom Wolfhard Schlosser schliesst von der unregelmässigen Pfostenstellung auf Markierungen von kultischen Feiertagen. Einer dieser Kulttage würde dem heutigen 1. Mai entsprechen.

Archäologen messen der Kultstätte ähnliche Bedeutung bei wie der 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra. Dieser 1999 ebenfalls in Sachsen-Anhalt entdeckte Schatz gilt als älteste Himmelsdarstellung der Welt.

Lebendopfer oder Grabstätte?

Unter der Anlage wurden Deponierungsgruben mit Weihegaben gefunden. In einer Grube wurde ein etwa sechsjähriges Kind begraben, in den anderen lagen Gebeine von Kindern und Jugendlichen sowie Tierskelette. Aber auch etliche Trinkgefässe, Steinbeile und Reibesteine zum Mahlen von Getreide lagen in den Gruben.

Ausserhalb des Kreisgrabens wurde ein Mann - vermutlich ein Herrscher - mit Statussymbolen wie Streitaxt und Flintbeil begraben. Auch das geheimnisumwitterte Stonehenge im Südwesten Englands war gemäss neuesten Untersuchungen über Jahrhunderte als Begräbnisstätte genutzt worden. Es wurde zwischen 3100 vor Christus und etwa 2000 vor Christus errichtet.

(sda)

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