Integration: Deutschkurs im Grünen

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IntegrationDeutschkurs im Grünen

Frauen mit Migrations-Hintergrund lernen im Park der Zürcher Bäckeranlage Deutsch. Das ungewöhnliche Projekt scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Nun folgt die zweite Runde.

von
Anja Grünenfelder

Das Quartierzentrum Aussersihl startete im Mai ein Pilotprojekt: Deutschunterricht auf der Bäckeranlage. Speziell daran ist nicht nur die Lokalität, sondern auch die Idee, die hinter dem Projekt steht. «Wir haben die Frauen dort abgeholt, wo sie sich sowieso aufhalten; im Park», sagt Gabriella Maspoli, Leiterin des Quartierzentrums Aussersihl. Dadurch habe sich nichts am Tagesablauf der Kursteilnehmerinnen mit Migrations-Hintergrund geändert und sie hätten nebenbei noch Deutsch gelernt.

Über Alltagsthemen sprechen

Die Teilnehmer mussten sich dafür weder im Vorfeld anmelden noch Kursgebüren bezahlen. Stattdessen wurden sie vom Soziokulturellen Team des Quartierzentrums gleich im Park angesprochen. Ziel des Projekts ist es, Frauen mit Migrationshintergrund für einen Deutschkurs zu motivieren. Sie sollen im Kurs über Alltagsthemen sprechen, die ihnen wichtig sind. Deutsche Grammatik steht nicht im Vordergrund. «Wir erklären den Frauen, wie sie ihr Kind an der Schule anmelden müssen oder was sie bei einem Arzttermin berücksichtigen sollten», so Maspoli weiter. Spontan meldeten sich acht Frauen aus Pakistan, Sri Lanka, Türkei, Thailand, Kosovo und Irak.

Tagesablauf beibehalten

Das Angebot verfehlte seine Wirkung nicht. Bald schon besuchten jeden Freitagnachmittag zwischen zwölf und 16 Frauen den 1,5-stündigen Kurs. «Ideal ist eine Gruppe von 15 Personen», sagt Maspoli. Die Anzahl Teilnehmerinnen hätte sich immer selbst reguliert, weil einmal eine Frau einen Job gefunden habe und beim nächsten Mal eine Neue dazugekommen sei.

Pro Nachmittag kostete der Unterricht fünf Franken inklusiv Kinderbetreuung. Die Kinder wurden von zwei Jugendlichen betreut, die vom Quartierzentrum engagiert wurden. Wenn eine Frau das Geld nicht bezahlen konnte, hatte sie die Möglichkeit, sich auf eine Freiwilligenliste einzutragen, um dem Quartierzentrum Aussersihl einmal einen Dienst zu erweisen. Mitte Juli endete der erste Durchlauf erfolgreich.

Zweiter Durchlauf im September

Der zweite Kurs startet im September - ebenfalls auf der Bäckeranlage. «Ob das Projekt auch in anderen Quartieren aufgenommen wird, hängt vom Bedürfnis ab», sagt Guido Schwarz, Pressesprecher Soziale Dienste der Stadt Zürich. Erstmal soll das Projekt auf der Bäckeranlage weitergeführt werden.

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