Aktualisiert 04.08.2004 15:12

Deutschland: Arbeitslosigkeit auf Rekordhöhe

Die Juli-Arbeitslosigkeit hat in Deutschland mit 4,36 Millionen Betroffenen den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht.

Nach geringfügigem Rückgang im Juni registrierte die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg nach Angaben vom Mittwoch einen Anstieg um 126.500 Arbeitslose seither und um 11.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,3 Punkte auf 10,5 Prozent. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt blieb angespannt. Die Opposition warf der Regierung Scheitern vor.

Der Chef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, sagte, der aktuelle Anstieg sei jahreszeitlich üblich. Ausserdem wirke sich die Konjunkturerholung noch nicht auf dem Arbeitsmarkt aus. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberbände (BDA) sprach von einem «traurigen Rekord». Die Reformen auf dem Arbeitsmarkt müssten intensiviert werden.

In Westdeutschland zählten die Arbeitsämter 2,76 Millionen Stellenlose. Die Quote lag dort nun bei 8,4 Prozent. In Ostdeutschland waren 1,6 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz. Die Quote beträgt dort 18,5 Prozent.

Zur jahreszeitlich bedingten Zunahme erklärte die Bundesagentur, unter anderem meldeten sich viele Jüngere nach Beendigung von Schule und Ausbildung arbeitslos. Zudem würden Neueinstellungen vielfach erst nach der Sommerpause vorgenommen.

Ende Juli standen den Angaben zufolge 75.900 noch offenen Ausbildungsplätzen 238.300 Bewerber gegenüber. Der Deutsche Gewerkschaftsbund erklärte: «Allen Erfolgsmeldungen der Wirtschaft zum Trotz ist die Lehrstellenlücke so gross wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.»

Clement sieht positive Anzeichen

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement liess erklären, die Arbeitslosigkeit bei den jüngeren Menschen unter 25 Jahren entwickele sich weiterhin deutlich günstiger als die Arbeitslosigkeit insgesamt. Während die gesamte Zahl der Arbeitslosen im Juli höher gelegen habe als ein Jahr zuvor, sei die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren um 2,4 Prozent gesunken. Bei den Arbeitslosen unter 20 Jahren habe der Rückgang gegenüber Juli 2003 sogar 7,5 Prozent betragen.

Immerhin wird nach den Worten des Arbeitsmarktexperten der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, der «Abbau von Arbeitsplätzen Monat für Monat langsamer». Clement wertete die Konjunktursignale positiv. Sie gäben Anlass zur Hoffnung, dass das Wirtschaftswachstum «schon bald» die Beschäftigungsschwelle überschreiten werde. Die Reform am Arbeitsmarkt mit Ich-AGs und Mini- und Midijobs, habe bereits dazu beigetragen, die Beschäftigungsschwelle auf etwa 1,5 Prozent Wachstum abzusenken.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber warf Rot-Grün Scheitern auf der ganzen Linie vor. Halbherzige Reformen und schwere handwerkliche Fehler zerstörten Vertrauen. Vor allem habe die Regierung die Gefahr der Abwanderung von täglich 1.000 Arbeitsplätzen ins Ausland viel zu spät erkannt.

Der CDU-Wirtschaftsexperte Matthias Wissmann erklärte, selbst wenn die Stimmung in Deutschland langsam besser werde, werde sich am Arbeitsmarkt noch länger nichts bewegen. Die Bundesagentur rechne bereits mit dem Erreichen der Fünf-Millionen-Marke. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sagte, die Lage am Arbeitsmarkt werde «immer mehr zum traurigen Spiegelbild der grün-roten Chaospolitik».

(dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.