Aktualisiert 01.10.2010 11:44

Kriegsschulden

Deutschland beendet den Ersten Weltkrieg

92 Jahre nach dem letzten Schuss hat die Bundesrepublik ihre letzten Schulden aus dem Ersten Weltkrieg abgestottert und kann das dunkle Kapitel endgültig ad acta legen.

von
jcg
Mit Abermillionen Toten ging der Erste Weltkrieg als die «Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts» in die Geschichtsbücher ein.

Mit Abermillionen Toten ging der Erste Weltkrieg als die «Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts» in die Geschichtsbücher ein.

Es war einer der blutigsten Konflikte der Geschichte. Gegen 20 Millionen Menschen verloren im Ersten Weltkrieg zwischen 1914 und 1918 ihr Leben. Sie konnte niemand mehr zurückbringen. Doch die Siegermächte wollten wenigstens die finanziellen Verluste vom Kriegsverursacher Deutschland zurückholen. Und so wurden der jungen Republik, die nach Kriegsende aus dem zerbrochenen Kaiserreich hervorgegangen war, im Versailler Vertrag von 1919 hohe Reparationszahlungen auferlegt. Sie sollten Frankreich und Belgien für die Zerstörung auf ihrem Territorium und die Siegermächte für ihre Kriegskosten entschädigen.

Deutschland begann zu zahlen und ächzte bald unter der Schuldenlast. Die Weimarer-Republik musste 1924 die Dawes-Anleihe und 1930 die Young-Anleihe aufnehmen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Und während Deutschland im Zuge der Weltwirtschaftskrise ein grosser Teil der Reparationszahlungen erlassen wurde, standen die Schulden aus den Anleihen weiter aus. Diese Schulden wuchsen weiter an, weil die Nationalsozialisten die Zinszahlungen einstellten.

Das Londoner Schuldenabkommen

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Thema Kriegsschulden wieder auf den Tisch. Im Londoner Schuldenabkommen von 1953 wurden die Vorkriegsschulden auf für Deutschland günstige 7,3 Milliarden DM festgelegt. Die nach dem Zweiten Weltkrieg angefallenen Schulden wurden auf 7 Milliarden DM festgelegt. Die Bundesrepublik musste davon, solange zwei deutsche Staaten existierten, lediglich einen Teil zurückzahlen. 1983 hatte Westdeutschland so fast alle Schulden aus dem Ersten Weltkrieg getilgt.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990 wurden dann die restlichen Verbindlichkeiten aus dem Londoner Schuldenabkommen fällig. Dabei handelte es sich um nicht bezahlte Zinsen für die Jahre 1945 bis 1952. Für die verbleibenden fast 200 Millionen Euro wurde eine Zahlungsfrist von 20 Jahren vereinbart. Die erste Zahlung erfolgte 1996. Jetzt – exakt 20 Jahre nach der Wiedervereinigung – hat Deutschland die letzte Rate seiner Schulden aus dem Ersten Weltkrieg beglichen.

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