Aktualisiert 06.02.2008 16:34

Deutschland, deine Nazi-Rapper

Was ist eigentlich im deutschen Hip-Hop los? Wer nach den Schüssen auf Massiv nach dessen Feinden sucht, findet einen albanischen «Freischärler», für den der Rapper «mit Sicherheit Jude» ist...

Nachdem in Berlin Schüsse auf Rapper Massiv abgegeben wurden, stellt sich die Frage nach dem wahren Tahergang(20minuten.ch berichtete). Das vermeintliche Opfer pöbelt jetzt gegen die Polizei: Sein damaliger Begleiter habe zwei, drei Mal bei der Polizei anrufen müssen, bis die überhaupt kam, berichtet die deutsche Zeitung «Die Welt». Es habe dann weitere 15 Minuten gedauert, bis die Beamten da waren. Massiv sprach von «miserabler Arbeit, die die Polizei durchgeführt hat - absolut unter aller Sau!»

Weiter behauptet Massiv, die Polzei habe zwei Tatverdächtige gefunden, sie aber wieder gehen lassen. Die Berliner Odnungshüter hingegen erklärten, es habe kein dringender tatverdacht gegen jene Männer gegeben. Und: Funksprüche würden beweisen, dass knapp fünf Minuten nach dem Anruf eine Streife vor Ort war.

Wer nach möglichen Feinden von Massiv sucht, stolpert über den Stuttgarter Rapper Bözemann. Der Albaner spielt gerne den bewaffneten «Freischärler», bezeichnet sich als gläubigen Muslim und berichtet zudem stolz von seinem Grossvater ist, wie das Polit-Blog «Lizas Welt» berichtet. Danach war der Opa angeblich bei der 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS Skanderbeg, einer albanische Hilfstruppe des Nazi-Regimes. Schon im Sommer 2007 nahm er ein Video für das Stück «Die Herausforderung» auf: Neben diversen Pöbeleien gegen Massiv begräbt er darin seinen Konkurrenten unter einem Kreuz mit Davidsstern.

Der «Spiegel TV»-Bericht über das Attentat. Antisemitismus ist hier jedoch kein Thema. Im Gegenteil: Der Davidsstern über Massivs Grab ist sogar aus Bözemanns Video wegretuschiert worden. Quelle: You Tube.

Die Beschimpfung als «Jude» gehört in manchen Hip-Hop-Kreisen schon beinahe zum guten Ton. Auf seiner My Space-Seite schreibt Bözemann über Massiv: «Ich scheiss auf deine schwulen Songs, deine schwule Stimme und auf dein Moslemgetue, weil du bist ganz sicher kein Moslem, du bist mit Sicherheit Jude und ziehst den Koran durch den Dreck!!!»

Bözemanns «Die Herausforderung». Quelle: You Tube.

Andere Beispiele sind Nazi-Rapper wie «Dissau Crime» aus Dessau. Ihr CD «Zyklon D. Frontalangriff» wartet mit Textzeilen auf wie «Jedem das Seine, denk an den Satz, auf dem Weg ins Gas meiner Stadt, Zyklon Dissau» oder «Ich schiess mit der Flak auf das ganze Judenpack, zack - zerwichse ich die Drecksgesellschaft». Ein anderes Beispiel sind «Zyklon Beatz» aus Berlin, dessen Album «Enzyklonpädie» heisst.

Der Experte Jan Buschbom sagte auf einer Fachtagung über Antisemitismus im November in Potsdam, antisemitische Äusserungen im deutschen Hip Hop wären «längst konsensfähig - oder stellen zumindest kein Skandalon mehr da.» Alte Vorurteile würden im modernen Kleid neu aufgelegt. «Auch die antisemitische Grosserzählung von der jüdische Weltverschwörung taucht unter der Hand wieder auf. Nämlich verkleidet als Kritik an den USA und Israel, denen es um die Durchsetzung ihrer ökonomischen Interessen weltweit gehe.»

Dass man mit Rap Kritik auch elegant anbringen kann, zeigt dieses Video von MC Rene. Quelle: You Tube.

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