100 Jahre nach dem Genozid - Deutschland erkennt Gräueltaten an den Herero und Nama als Völkermord an
Publiziert

100 Jahre nach dem GenozidDeutschland erkennt Gräueltaten an den Herero und Nama als Völkermord an

Im frühen 19. Jahrhundert begingen Deutsche im heutigen Namibia Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Jetzt hat der deutsche Staat diese als Völkermord anerkannt – und will nun einen Milliardenbetrag zahlen.

1 / 2
Die Deutschen legten gefangene Herero in Ketten.

Die Deutschen legten gefangene Herero in Ketten.

Wikipedia
Eine Plakette in Namibia gedenkt der gefallenen deutschen Soldaten in der Schlacht gegen die Herero. (Archivbild)

Eine Plakette in Namibia gedenkt der gefallenen deutschen Soldaten in der Schlacht gegen die Herero. (Archivbild)

AFP/Gianluigi Guercia

Darum gehts

  • Die deutsche Regierung erkennt 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht in Namibia die Gräueltaten an den Volksgruppen Herero und Nama als Völkermord an.

  • Die Nachkommen sollen mit einem Milliardenbetrag unterstützt werden.

  • Präsident Frank-Walter Steinmeier soll bei einem Festakt im namibischen Parlament offiziell um Vergebung bitten.

Mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia erkennt die deutsche Regierung die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an. Die Nachkommen will sie mit einem Milliardenbetrag unterstützen. «Als Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids, das den Opfern zugefügt wurde, wollen wir Namibia und die Nachkommen der Opfer mit einem substanziellen Programm in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zum Wiederaufbau und zur Entwicklung unterstützen», sagte der deutsche Aussenminister Heiko Maas am Freitag.

Zuvor hatten Delegationen beider Länder nach fast sechsjährigen Verhandlungen eine Einigung über eine politische Erklärung erzielt, der beide Regierungen nun zugestimmt haben. Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia und schlug Aufstände brutal nieder. Historikern und Historikerinnen zufolge wurden etwa 65’000 von 80’000 Herero und mindestens 10’000 von 20’000 Nama getötet.

Steinmeier will um Vergebung bitten

Die Regierung will in dem Abkommen die Tötung zehntausender Menschen in der Ex-Kolonie Deutsch-Südwestafrika aus heutiger Sicht als Völkermord einstufen. Präsident Frank-Walter Steinmeier soll zudem bei einem Festakt im namibischen Parlament offiziell um Vergebung bitten.

Mit den 1,1 Milliarden Euro sollen vor allem Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama gefördert werden. Dabei soll es um Landreform, Landwirtschaft, ländliche Infrastruktur und Wasserversorgung sowie Berufsbildung gehen. Die Bundesregierung betont aber, dass sich aus ihrer Anerkennung des Völkermords und der Gründung des Hilfsfonds keine rechtlichen Ansprüche auf Entschädigung ergeben, sondern dass es um eine politisch-moralische Verpflichtung geht.

«Ich bin froh und dankbar, dass es gelungen ist, mit Namibia eine Einigung über einen gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu erzielen», sagte Maas.

(dpa/nsa)

Deine Meinung