Aktualisiert 06.09.2007 12:39

Deutschland fürchtet sich wie wie nach 9/11

Die Angst vor Terrorismus ist in Deutschland so gross wie seit den Anschlägen vom 9. September 2001 nicht mehr. Nach einer heute veröffentlichten Forsa-Umfrage fürchten 76 Prozent der Deutschen Terrorgefahr.

In einer gleichzeitig vorgelegten Studie der R&V Versicherung hat keine Kategorie der Ängste so zugelegt wie die Angst vor Terror. Mit neun Prozentpunkten Zuwachs liege sie noch vor der erstmals aufgeführten Angst vor Naturkatastrophen und vor Krieg mit deutscher Beteiligung.

Die beiden letzteren Punkte sind mit Zuwächsen von sieben beziehungsweise fünf Prozentpunkten offenkundig dem Klimawandel und seinen unabsehbaren Folgen sowie gefährlichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr wie in Afghanistan geschuldet. Die Präsentatorin der Studie, Rita Jakli, sagte, die Umfragen dazu seien im Juni gemacht worden. Wären sie unmittelbar nach den drei Festnahmen Terrorverdächtiger im Sauerland gemacht worden, sähe die Reihenfolge sicherlich anders aus.

Die Forsa-Umfrage, die eine Momentaufnahme nach den Festnahmen ist, stellt dagegen fest, dass die Angst vor Terror bei älteren Menschen mit einem Anteil von 85 Prozent an der Spitze steht. Nur ein Viertel der Deutschen sehe weiterhin keine Gefahr durch den Terrorismus.

Trotz des jüngsten Ermittlungserfolgs der Sicherheitsbehörden herrscht offenbar Fatalismus vor: Nach vier Jahren Irak-Krieg ohne greifbare Erfolge gegen Al-Kaida sehen laut Studie 71 Prozent der Bevölkerung den Kampf gegen den weltweiten Terrorismus als aussichtslos an. Sie befürchteten, dass die Menschen lernen müssten, damit zu leben.

Eine andere Gewichtung ergibt die über einen längeren Zeitraum und vor den Festnahmen zusammengetragene R&V-Studie. Danach haben insgesamt gesehen die Deutschen in diesem Jahr weniger Angst als noch 2006. Das hänge mit dem konjunkturellen Aufschwung sowie dem deutlichen Abnehmen der wirtschaftlichen Sorgen wie Arbeitslosigkeit (minus 16 Prozentpunkte), schlechte wirtschaftliche Lage (minus zwölf Prozentpunkte) sowie Lebenshaltungskosten und eigene Arbeitslosigkeit (je minus vier Prozentpunkte) zusammen.

Serie von Geiselnahmen und Online-Debatte

In der Gesamtschau liegt die Angst vor Terrorismus laut Studie mit 50 Prozent sogar erst auf Platz sechs hinter hinter den Ängsten vor steigenden Lebenshaltungskosten (66 Prozent), Naturkatastrophen (53 Prozent), Pflegefall im Alter (53 Prozent), schwerer Erkrankung (51 Prozent) und Überforderung der Politiker (51 Prozent). Der im Juni festgestellte Rekordzuwachs beim Stellenwert des Terrors geht laut Interpretation der Verfasser zum einen der Serie von Geiselnahmen Deutscher in Afghanistan sowie auf die von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble forcierte Forderung nach heimlichen Online-Durchsuchungen als neue Ermittlungsmethode zurück.

Die Wachstumskurve Terrorängste spiegelt der Studie zufolge oft die Konfrontation der Öffentlichkeit mit dem Thema Terrorismus wider. Jahre nach dem Abklingen des RAF-Terrors sank der Bedeutungsanteil in den Jahren 1996 bis zu den Anschlägen vom September 2001 von 30 auf 21 Prozent. Nach dem Inferno von New York schnellte sie ein Jahr später auf 36 Prozent und nach den verheerenden Anschlägen auf die Vorortzüge in Madrid im März 2003 sogar bis auf 58 Prozent hoch. Der Terror hatte Europa erreicht. (dapd)

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