Deutschland öffnet Holocaust-Archiv für Historiker
Aktualisiert

Deutschland öffnet Holocaust-Archiv für Historiker

Nach jahrelangem Widerstand ist Deutschland bereit, das Holocaust-Archiv im hessischen Bad Arolsen für die Forschung zu öffnen. Die Bundesregierung hat ihre datenschutzrechtlichen Bedenken aufgegeben.

Dies sagte Justizministerin Brigitte Zypries am Dienstag in Washington. In allen elf an dem Archiv beteiligten Staaten sei der Datenschutz inzwischen genügend entwickelt, um die Forschung mit den Daten zu erlauben.

Die Direktorin des Washingtoner Holocaust-Museums, Sara Bloomfield, sprach von einer Entscheidung von grosser «moralischer und historischer Bedeutung».

Der Internationale Suchdienst (ITS) im hessischen Bad Arolsen verfügt über eine der weltweit grössten Datensammlungen über den Holocaust. Das Material über rund 17,5 Millionen KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und andere NS-Opfer ist bisher allerdings nur direkten Angehörigen zugänglich.

Die deutsche Regierung hatte sich lange gegen die Öffnung für die Forschung gewehrt, da die Archive auch sensible Persönlichkeitsdaten wie etwa Angaben zu Vorstrafen und sexueller Orientierung enhalten.

Die Alliierten hatten die Datensammlung nach dem Zweiten Weltkrieg in Bad Arolsen deponiert. In den vergangenen Jahrzehnten war sie vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) für die Suche nach NS-Opfern und Vermissten genutzt worden.

Eine Grundsatzeinigung über die Öffnung des Archivs war zwar schon vor acht Jahren erzielt worden; seither hatte aber neben Deutschland vor allem auch Italien datenschutzrechtliche Bedenken vorgebracht.

(sda)

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