Einzelfälle in der Schweiz: Deutschland schliesst Schlachthöfe wegen Corona

Aktualisiert

Einzelfälle in der SchweizDeutschland schliesst Schlachthöfe wegen Corona

In Deutschland müssen grosse Fleischereibetriebe dichtmachen: Bis zu 20 Prozent der Belegschaft hat sich mit Corona angesteckt. Die Schweizer Branche beobachtet die Situation.

von
Reto Heimann
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Deutsche Fleischereibetriebe stellt die Corona-Krise vor grosse Probleme.

Deutsche Fleischereibetriebe stellt die Corona-Krise vor grosse Probleme.

Foto: Keystone
Gleich drei grosse Fleischverarbeiter mussten ihren Betrieb einstellen: Bis zu zwanzig Prozent der Belegschaft hatte sich mit dem Corona-irus angesteckt.

Gleich drei grosse Fleischverarbeiter mussten ihren Betrieb einstellen: Bis zu zwanzig Prozent der Belegschaft hatte sich mit dem Corona-irus angesteckt.

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In der Schweiz ist die Lage weniger dramatisch, wie der Schweizerische Fleisch-Fachverband mitteilt.

In der Schweiz ist die Lage weniger dramatisch, wie der Schweizerische Fleisch-Fachverband mitteilt.

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Darum gehts

  • In Deutschland müssen grosse Fleischbetriebe schliessen, weil sich die Belegschaft mit dem Coronavirus angesteckt hat.
  • In der Schweiz ist die Lage weniger dramatisch.
  • Gewisse Fleischereibetriebe in der Schweiz haben einen Umsatzeinbruch von über 80 Prozent.

In Deutschland haben mehrere Fleischverarbeitungszentren schliessen müssen. Grund dafür: Ein beträchtlicher Teil der Belegschaft hatte sich mit dem Coronavirus angesteckt. Insgesamt drei grosse Schlachthöfe und Fleischverarbeitungsbetriebe mussten ihre Türen schliessen.

Bis zu 20 Prozent der Belegschaft hatten sich mit dem Coronavirus angesteckt. In einem Betrieb hatten sich 50 von 260 Mitarbeitenden mit dem Virus angesteckt. Das schreibt die deutsche «Agrarzeitung».

Schweiz weniger betroffen

In der Schweiz präsentiert sich die Situation weniger dramatisch. «Mir sind keine Fälle von Fleischverarbeitern bekannt, in denen es zu einer Häufung von Corona-Erkrankungen gekommen wäre», sagt Ruedi Hadorn, Direktor des Schweizer Fleischfachverbandes (SFF). In Einzelfällen sei es zu Infektionen gekommen – allerdings nicht in grösserem Umfang, als dies in anderen Branchen auch der Fall sei, so Hadorn.

Weshalb in Deutschland, aber auch den USA die Fleischereibetriebe besonders von Corona-Erkrankungen betroffen sind, kann Hadorn nicht erklären. Eigentlich hätten wissenschaftliche Studien gezeigt, dass die Übertragung nicht von Lebensmitteln und also auch nicht von Fleisch ausgehe. Fakt ist aber: In den Fleischereibetrieben wird nahe beieinander gearbeitet.

Früh Massnahmen getroffen

Hadorn ortet den Grund, weshalb Schweizer Schlachthöfe besser dastünden als diejenigen in Deutschland, in einer guten Vorbereitung. «Wir haben sehr früh zusätzliche Massnahmen wie Social Distancing, den Einsatz von Masken oder das Arbeiten hinter Plexiglasscheiben getroffen und diese auch in unserem Branchen-Schutzkonzept festgehalten.»

In gewissen Betrieben würde seit der Corona-Krise im Schichtbetrieb gearbeitet, sodass nie mehr als die Hälfte der Belegschaft gleichzeitig arbeite. Der Fleischfachverband beobachtet die Situation in Deutschland aber genau, denn: «Alle Massnahmen, die man trifft, können höchstens eine Risikominimierung sein. Eine Garantie gibt es wie überall im Leben auch hierfür nicht», so Hadorn.

Viel weniger Absatz

Wenn es in der Schweiz zu vorübergehenden Schliessungen von Betrieben verbunden mit Kurzarbeit gekommen ist, dann wegen des Umsatzeinbruchs. Weil Restaurants geschlossen sind, verzeichnen gewisse Fleischereien einen Rückgang von über 80 Prozent im Umsatz. Besonders Kalbfleisch hat es momentan auf dem Markt sehr schwer. Das geht so weit, dass gewisse Schlachthöfe dazu übergangen sind, ihre Schlachtungen bis auf weiteres zu reduzieren. Das hat Konsequenzen auch für die Bauern, wie Hadorn ausführt: «Sie können ihre Kälber nicht mehr innert der vorgegebenen 160 Tage in den nachgefragten Qualitäten verkaufen.» Das hat nicht zuletzt Auswirkungen auf den erzielten Preis der Ware.

In den letzten Wochen war es bereits in den USA zur Schliessung vieler Schlachthöfe gekommen. Das Problem in Schlachthöfen besteht vor allem darin, dass aufgrund der Fliessbandarbeit das Social Distancing kaum eingehalten werden kann. Ingesamt haben in den USA Stand Anfang Mai schon 20 Fleischfabriken schliessen müssen. 20 Fleischarbeiter sind am Coronavirus verstorben, über 5000 entweder daran erkrankt oder mit Verdacht darauf in Selbstquarantäne.

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