Aktualisiert 26.07.2011 13:52

Prognose

Deutschland-Shopper bremsen Detailhandel

Die Warnungen der Detailhändler scheinen sich zu bewahrheiten: Im Jahr 2011 sollen wegen Einkaufstouristen rund 300 Millionen Franken in den Kassen von Coop und Co. fehlen, sagt eine Prognose.

Der starke Franken lockt die Konsumenten vermehrt ins grenznahe Ausland. Die Konjunkturforschungsstelle BAK Basel Economics rechnet damit, dass die Schweizer Haushalte im Jahr 2011 rund 310 Mio. Fr. mehr für Lebensmittel im grenznahen Ausland ausgeben als im vergangenen Jahr.

Dies wirke sich auf die Umsatzzahlen der Schweizer Detailhändler aus, teilte BAK Basel am Dienstag mit. Gemäss Berechnungen der Konjunkturforscher dürfte das Wachstum der nominalen Lebensmittelumsätze 2011 aufgrund des Kaufkraftabflusses rund 0,6 Prozentpunkte tiefer ausfallen als im Vorjahr.

BAK Basel rechnet für das laufende Jahr mit einer realen Umsatzzunahme im Schweizer Detailhandel von 1 Prozent. Aufgrund der tieferen Verkaufspreise stagnierten die nominalen Umsätze jedoch im Vorjahresvergleich, heisst es weiter.

Das erwartete reale Umsatzplus von 1 Prozent verdanke der Detailhandel vor allem der unveränderten Nachfrage in den Segmenten Unterhaltungs- und Büroelektronik sowie Gesundheit, Körperpflege und Schönheit, begründet BAK Basel die Prognose. Kaum Wachstumspotenzial sieht die Forschungsstelle hingegen bei der Sparte Bekleidung und Schuhe.

Non-Food-Bereich wächst stärker

Im gesamten Non-Food-Bereich rechnet sie für 2011 mit einem realen Wachstum von 1,1 Prozent. Für den Nahrungsmittel-Bereich prognostiziert BAK Basel ein reales Umsatzplus von 0,9 Prozent.

Leicht optimistischer zeigen sich die Konjunkturforscher für 2012: «Die Ausgaben der Haushalte dürften wieder etwas stärker zulegen, was durch die gute Arbeitsmarktlage und die positiven Einkommensperspektiven begründet ist», schreiben sie.

Der preisbereinigte Detailhandelsumsatz dürfte demnach 2012 um 1,6 Prozent ansteigen. Nominal rechnet BAK Basel 2012 mit einem Umsatzplus von 2,3 Prozent.

Konsumenten profitieren

Während der starke Franken die Detailhändler vor Herausforderungen stellt, bringt er den Konsumenten auch Vorteile: Trotz steigender Rohstoffpreise erwartet BAK Basel für Körperpflege- Produkte oder Unterhaltungselektronik auch in den nächsten Monaten tiefere Preise.

Für das ganze Jahr 2011 sinken demnach die Produkte in den Segmenten Gesundheit, Körperpflege, Schönheit um 4,4 Prozent. Artikel der Unterhaltungs- und Büroelektronik dürften durchschnittlich 7,2 Prozent weniger kosten als im Vorjahr, wie die Konjunkturforscher schreiben.

Kleider werden teurer

Nicht viel ausrichten kann der starke Franken bei den steigenden Preisen für Kleider und Schuhe: Der Preisanstieg um 6,1 Prozent lasse sich durch die «markant steigenden Produktionskosten in den Herstellungsländern» erklären, heisst es weiter.

Für das gesamte Detailhandelssortiment erwartet BAK Basel im laufenden Jahr Preissenkungen im Umfang von 0,8 Prozent im Vergleich zu 2010. Beim gesamten privaten Konsum, der auch Dienstleistungen beinhaltet, rechnet sie mit einem Preisanstieg von 0,6 Prozent.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.