Aktualisiert 24.04.2010 16:42

AfghanistanDeutschland soll mit weiteren Toten rechnen

Zum zweiten Mal innerhalb von gut zwei Wochen hat Deutschland Abschied von in Afghanistan gefallenen Soldaten genommen. Verteidigungsminister zu Guttenberg bereitete die Öffentlichkeit an der Trauerfeier auf weitere Verluste vor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Trauerfeier für die gefallenen Soldaten am 24. April in Ingolstadt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Trauerfeier für die gefallenen Soldaten am 24. April in Ingolstadt.

«Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein, nicht nur in Afghanistan», sagte Guttenberg im Trauergottesdienst für die vier Soldaten, die am 15. April in der Provinz Kundus gestorben waren.

An dem ökumenischen Gottesdienst für die Männer im Alter von 24 bis 38 Jahren nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle und der afghanische Aussenminister Salmay Rasul teil.

Guttenberg sagte, die jüngsten Taliban-Angriffe auf die Bundeswehr hätten die Lebensgefahr für die Soldaten gezeigt. Die deutsche Öffentlichkeit habe diese «vielleicht zu lange» nicht wahrhaben wollen.

Dennoch gebe es keinen Zweifel an dem Einsatz. «Unsere Zusage an das afghanische Volk gilt: Wir wollen dieser geschundenen Nation helfen ihr Land zu befrieden und dies dient unserer eigenen Sicherheit.»

Bitte um Verzeihung

Der Verteidigungsminister richtete an die Angehörigen die Bitte um Verzeihung. «In politischer Verantwortung hat man Sie, verehrte Angehörige, auch um Verzeihung zu bitten.» Er trage als Minister die Verantwortung für die Trauer der Angehörigen.

Durch den Tod der Soldaten sei aber nicht die Hoffnung auf eine Besserung in Afghanistan zerrissen. Die Männer seien für die Gewissheit gestorben, «ihre und unsere Freiheit zu schützen».

Die mit Deutschlandfahnen bedeckten Särge der vier Soldaten wurden in der Kirche aufgebahrt, dahinter standen grosse Porträtfotos der Männer. An jedem Sarg hielten jeweils acht Soldaten Totenwache. Die Zeremonie wurde von der Bundeswehr auch zu den Truppen nach Afghanistan übertragen.

Neue Afghanistan-Strategie gefährlich

Die Gebirgspioniere Josef Kronawitter und Marius Dubnicki aus Ingolstadt und der Major Jörn Radloff von der Heeresschule Weiden in der Oberpfalz waren am 15. April bei einem Hinterhalt von Taliban im nordafghanischen Baghlan getötet worden.

Wenige Stunden nach diesem Überfall wurde in der Nähe der Oberstabsarzt Thomas Broer aus Ulm bei einem Granatenangriff auf sein Sanitätsfahrzeug getötet. Fünf weitere Soldaten liegen noch verletzt im Krankenhaus.

Erst an Karfreitag waren drei Fallschirmjäger aus Niedersachsen in Afghanistan gefallen.

Nach der neuen Afghanistan-Strategie sollen die Soldaten der internationalen ISAF-Friedenstruppe afghanische Truppen vermehrt im Gefecht begleiten, um sie auf die Übernahme der Verantwortung nach dem angestrebten Abzug der westlichen Truppen vorzubereiten. Auch die vier in Baghlan gefallen Bundeswehrsoldaten waren mit afghanischen Soldaten unterwegs. (sda/dapd)

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