«Finis Germania»: Deutschland streitet über Skandalbuch
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«Finis Germania»Deutschland streitet über Skandalbuch

Der «Spiegel» hat das Buch «Finis Germania» aus seiner Bestseller-Liste entfernt. Kritiker unterstellen dem Magazin Allmachtsfantasien.

von
woz
Der Umschlag des umstrittenen Buches.

Der Umschlag des umstrittenen Buches.

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In Deutschland ist eine heftige Diskussion ausgebrochen. Ausgelöst hat sie der «Spiegel», welcher das Buch «Finis Germania» von der Bestsellerliste entfernt hat – ohne Erklärung. Der Platz 6, welcher das umstrittene Buch des Historikers Rolf Peter Sieferle eigentlich belegte, wurde ausgelassen. Stattdessen hüpfte das Ranking von Rang 5 direkt auf Rang 7.

Kurz darauf hagelte es heftige Kritik über das «klangheimliche» (sic!) Entfernen des Buches. So sprach der Journalist und AfD-Berater Michael Klonovsky von «Literatur-Stasi». In einem Kommentar der «Welt» (Artikel ist kostenpflichtig) hiess es: «Auf diese Weise hatten auch sowjetische Zensoren Geschichtsschreibung betrieben.»

«Rechtsradikal und antisemitisch»

Schliesslich sah sich auch das kritisierte Magazin veranlasst, eine Erklärung abzugeben: «Der Spiegel, der sich auch bei historischen Themen als Medium der Aufklärung versteht, will den Verkauf eines solchen Buches nicht befördern», schreibt die stellvertretende Chefredakteurin Susanne Beyer in einer Stellungnahme. Sie hatte das Buch bereits zuvor als «rechtsradikal, antisemitisch und geschichtsrevisionistisch» bezeichnet.

Die Stellungnahme konnte aber nicht beruhigen. Wie es in einem Artikel von «Übermedien» heisst, werden dem «Spiegel» «Allmachtsfantasien» unterstellt: «Mit dem Löschen des Buches von der Bestsellerliste habe er das Buch an sich auslöschen wollen.» Das Beispiel zeige, dass Versuche, die Wahrheit zu manipulieren, tatsächlich existieren.

Ohne Einwilligung des Autors

Das Manuskript ist ohne den Willen des Autors und aus dessen Nachlass veröffentlicht worden. Im Herbst 2016 schied Rolf Peter Sieferle freiwillig aus dem Leben. Der «Tages Anzeiger» hat in einer Rezension geschrieben, dass die 100 Seiten keinen Zweifel daran lassen, dass «Finis Germania» eine antisemitische Hetzschrift ist, «welche zum einen die Täter zu Opfern macht und zum anderen die Opfer als letztlich von und vor der Geschichte begünstigt erscheinen lässt». So lege das Buch die Marschrichtung schon auf den ersten Seiten vor: «Es gibt tragische Völker, wie die Russen, die Juden und die Deutschen, an denen sich die Paradoxien geschichtlicher Prozesse in ihrer ganzen Schärfe vollziehen.»

Die unerwartete Parallele von Juden und Deutschen erkläre der einem breiten Publikum unbekannten Historiker mit einem Gegensatz: Dem «positiv auserwählten Volk» stehe das «negativ auserwählte Volk» gegenüber. «Hitler ist damit etwas gelungen, womit er selbst vielleicht nicht gerechnet hat: Er hat für alle Zeiten den Deutschen und den Juden eine komplementäre Sonderrolle zugewiesen, die im Gedächtnis der Menschheit nicht verschwinden wird, solange es noch Deutsche und Juden gibt.»

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