Deutschland sucht den automobilen Super-Star
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Deutschland sucht den automobilen Super-Star

Mit echten Neuheiten tut sich die deutsche Autoindustrie auf dem Genfer Auto-Salon in diesem Jahr ziemlich schwer. Also werden bestandene Grössen vom Werk gepimpt.

Haben die Bosse der deutschen Auto-Hersteller in letzter Zeit zu oft «Pimp My Ride» auf MTV geschaut? Gut möglich, denn die Deutschen – bisher die Neuheiten-Leader beim Genfer Auto-Salon – glänzen in diesem Jahr weniger mit Innovationen als vielmehr mit automobiler «Aufrüstung». Es scheint, als ob die Deutschen nach dem Superstar nun auch nach dem ultimativen Supersportler suchen.

Porsche, dessen Kernkompetenz ja das Geschäft mit der Geschwindigkeit ist, geht mit dem 911 Turbo und dem 911 GT3 ins Rennen. Beide starten in der 3,6-Liter-Klasse, und während sich der Saugmotor im GT3 mit 415 PS begnügen muss, leistet der Turbo-geladene 911 Turbo 480 PS. Damit rennen beide 911er mehr als 300 Stundenkilometer. Das kostet: Mindestens 159 000 Franken müssen für den GT3 bezahlt werden, für den 911 Turbo mindestens 40 000 Franken mehr.

Was die neuen Mercedes-Modelle von Haustuner AMG kosten werden, steht noch nicht fest. Dafür bewegen sich die PS-Zahlen in astronomischen Höhen: Der CLK 63 AMG (Cabriolet oder Coupé) startet mit 481 PS durch; der R 63 AMG transportiert bis zu sieben Personen mit 510 PS; der CLS 63 AMG (Coupé/Limousine) leistet 514 PS; der Roadster SL 55 AMG schafft 517 PS, und am Ende der Leistungsskala stehen der S 65 AMG – die schnellste Serienlimousine der Welt – und der SL 65 AMG mit jeweils 612 PS und einem Drehmoment von 1000 gewaltigen Newtonmetern.

Neben diesen Rennern, die übrigens erst im Herbst an-rollen, nehmen sich die Leistungsdaten der neuen Audi- und BMW-Sportler fast schon bescheiden aus. Während der Audi RS4 als Cabrio oder Avant immerhin 430 PS auf die vier Räder bringt und auch in neuer Form den perfekten «Wolf im Schafspelz» mimt, erscheinen die 343 PS des neuen Z4 M Coupés von BMW fast schon ein wenig schmalbrüstig.

Zählt man die Topleistung der neuen Renner von Porsche, Mercedes, Audi und BMW zusammen und teilt die Summe (1865 PS) durch vier, so ergibt dies einen Durchschnittswert von 466,25 PS pro Auto. Ziemlich genauso viel hatte Formel-1-Pilot Jackie Ickx 1970 in seinem Ferrari 312B mit Zwölfzylindermotor zur Verfügung …

Dieter Liechti

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