Schweinegrippe: Deutschland wird geimpft
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SchweinegrippeDeutschland wird geimpft

In Deutschland ist gut ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der weltweiten Schweinegrippe-Epidemie die grösste Impfaktion in der Geschichte angelaufen. Und die sorgte schon im Vorfeld für grossem Wirbel.

von
Daniel Rademacher
AP

In fast allen deutschen Bundesländern können sich seit Montag, spätestens aber ab Mitte der Woche zunächst vor allem wichtige Berufsgruppen wie Ärzte, Schwestern, Rettungskräfte und Polizisten impfen lassen. Nach und nach kommen auch chronisch Kranke und dann jeder andere Impfwillige an.

Zum Start der Massenimpfung hat das Robert-Koch-Institut die Bürger noch einmal eindringlich zur Teilnahme aufgefordert. «Wir raten durchaus zur Impfung, denn es ist nicht abzusehen, wie stark sich die Grippe entwickelt», sagte der Regensburger Medizinprofessor Wolfgang Jilg, der auch Mitglied der Ständigen Impfkommission ist, dem Bayerischen Rundfunk. Offenbar nehme die Zahl der Erkrankungen zu. Jilg verwies auf die Entwicklung in den USA, wo US-Präsident Barack Obama den Ausbruch der Schweinegrippe am Freitag zum nationalen Notfall erklärte. Es sei sinnvoll, sich vor der Schweinegrippe zu schützen, betonte er.

Impfbereitschaft schwer abzuschätzen

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen konnten sich seit dem Vormittag Polizisten, Feuerwehrleute sowie Mitarbeiter im medizinischen Bereich immunisieren lassen. Ab Mitte November werden laut Gesundheitsministerium auch chronisch Kranke und Schwangere in die freiwillige Impfaktion miteinbezogen, Ende November folgt der Rest der Bevölkerung.

Wie hoch die Impfbereitschaft sei, sei schwer einzuschätzen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Gehe man von den Zahlen der Impfungen bei der Wintergrippe aus, sehe es eher mager aus. Beim Krankenhaus-Personal liessen sich nur rund 15 bis 20 Prozent jährlich gegen die saisonale Grippe impfen. Bei der Polizei sei die Bereitschaft mit 30 Prozent etwas höher. Insgesamt seien elf Millionen Dosen Impfstoff bestellt worden - allein diese Woche seien es 340 000, sagte die Sprecherin.

In Rheinland-Pfalz begann nach Angaben der Landesregierung in den Gesundheitsämtern die Impfung von Gesundheitspersonal, Feuerwehrleuten und Polizisten. Das Land hat insgesamt 2,4 Millionen Impfdosen bestellt, 80 000 sind bereits geliefert. Ab dieser Woche kommen jede Woche zusätzlich 100 000 Impfdosen hinzu. Ab der kommenden Woche werden chronisch Kranke immunisiert, ab der dritten Woche kann sich jeder, der möchte, impfen lassen. Die Impfungen werden von insgesamt 750 niedergelassene Ärzte vorgenommen.

Impfaktion sorgte schon vor Beginn für Wirbel

In Hessen kann sich theoretisch ab Montag jeder Impfwillige immunisieren lassen. Der Appell geht aber dahin, dass zunächst das Schlüsselpersonal und chronisch Kranke sowie Schwangere geimpft werden sollen. Beschäftigte von Polizei und Feuerwehr werden beim öffentlichen Gesundheitsdienst oder Betriebsärzten geimpft, chronisch Kranke und Schwangere bei ihren Hausärzten beziehungsweise Gynäkologen. Das Land hat rund 3,7 Millionen Impfdosen bestellt, womit bei einer einmaligen Impfung etwa 60 Prozent der Bevölkerung versorgt werden können.

Die Impfung hatte schon vor Beginn für grossen Wirbel gesorgt: Hintergrund sind Wirkstoffverstärker, die die Spritze weniger verträglich machen könnten als normale Influenza-Impfungen. Ausserdem wurde bekannt, dass die Bundesregierung für Spitzenpolitiker, hohe Bundesbeamte und Soldaten einen Impfstoff bestellt hat, der anders als Pandemrix keine Verstärker enthält.

Symptome der Schweinegrippe

Die Symptome der Schweinegrippe ähneln der einer ganz normalen Grippe: Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Husten. Einige Patienten berichteten auch über Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Ohne Laboruntersuchung gibt es keine Gewissheit.

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch ist sehr kurz, manchmal erkranken Infizierte schon binnen Stunden, die meisten spätestens innerhalb von drei Tagen. In dieser Zeit sind die Patienten schon ansteckend, da die Virenausscheidung über die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums beginnt. Diese Ausscheidung dauert in der Regel bis zu sieben Tage, bei geschwächten Menschen auch länger. (ap)

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