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Salzburger FlugverkehrDeutschland zofft auch mit Ösis über Fluglärm

Genau wie in Zürich will Deutschland in Österreich eine einseitige Verordnung durchsetzen, um den Flugverkehr in Salzburg einzuschränken. Geschützt werden sollen 16'000 Bayern.

Der Lärm vom Salzburger Flughafen stört die bayrische Gemütlichkeit.

Der Lärm vom Salzburger Flughafen stört die bayrische Gemütlichkeit.

Nicht nur die Schweiz hat ein Fluglärmproblem mit Deutschland, auch Österreich liegt seit Jahren mit seinem Nachbarn im Clinch. Gestritten wird um den Flugverkehr in Salzburg, der bayerische Gemeinden beschallt. Deutschland will - genau wie 2003 in Zürich - eine einseitige Verordnung durchsetzen, um seine Bürger zu schützen. In Salzburg befürchtet man das Schlimmste.

Der Salzburger Bürgermeister greift zu deutlichen Worten, wenn er an die Drohung aus Deutschland denkt. «Das würde zu einem immensen Schaden für die Region führen», sagte Heinz Schaden auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Vor allem im Tourismus würden die Lichter ausgehen. Aber auch die Festspiele, eine der Hauptattraktionen der Mozart-Stadt, hätten ein Problem. «Viele Künstler, aber auch die Gäste sind auf den Flughafen angewiesen.»

Noch ist unbekannt, welches neue Betriebsregime Deutschland konkret durchsetzen will. Der Entwurf ist gemäss deutschem Verkehrsministerium zwar weitgehend fertig, er wird aber noch nicht publik gemacht. Weil die Fakten fehlen, machen in Salzburg Gerüchte die Runde: Von einer Mindestflughöhe von 2000 Metern über deutschem Gebiet ist die Rede.

Die Maschinen müssten dann quasi im Sturzflug auf die Piste zusteuern - ein aus Sicherheitsgründen unmögliches Szenario. Ein Anflug aus anderer Richtung ist gemäss Schaden aber «zu gefährlich».

Salzburger Maschinen über bayerischen Köpfen

Um das Problem zu erkennen, genügt ein Blick auf die Karte: Salzburg ist auf drei Seiten von bis zu 2000 Meter hohen Bergen eingekesselt. Nur in Richtung Norden ist das Gelände flach und für die Fliegerei unproblematisch. Doch in dieser Richtung liegt Bayern, konkret Freilassing mit seinen rund 16'000 Einwohnern.

Seit Jahren fliegen den Freilassingern die österreichischen Maschinen über die Köpfe. Und wie es auch die Deutschen im Norden des Zürcher Flughafens tun, wehren auch sie sich vehement. Nur was die Grössenordnung betrifft, unterscheidet sich der Streit: Während Zürich jährlich 270'000 Bewegungen zählt, sind es in Salzburg nur 17'000.

Dennoch ist die Wut auf die Nachbarn gross. Die Bayern fühlen sich vertröstet, weil die Salzburger stets das Problem mit den Bergen ins Feld führen. Viele Betroffene vermuten, dass mit den Nordanflügen vielmehr das Villenviertel im Süden Salzburgs geschont werden soll.

Selbst der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer, der auch für die Neuaushandlung des Staatsvertrages mit der Schweiz zuständig ist, glaubt nicht an die absolute Unmöglichkeit des Südanfluges.

Wie es aus seinem Ministerium auf Anfrage heisst, soll die geplante Verordnung «neue Verfahren von und nach Süden über österreichisches Gebiet fördern».

Ramsauer: «Österreich hat zu wenig getan»

In Berlin ist man überzeugt, dass der Anflug über die Berge sicher sein kann. Die Piloten bräuchten aber eine Schulung und Lizenzierung. Auch die Bordinstrumente müssten aufgerüstet werden. Der Südanflug kann theoretisch heute schon angewendet werden - in den Augen der Deutschen wird das aber viel zu selten gemacht.

Noch immer würden 90 Prozent der Flüge über Deutschland abgewickelt. «Dieses Verhältnis muss sich spürbar ändern. Die Belastungen auf deutscher Seite müssen sinken», so Ramsauer. «Dafür hat die österreichische Seite bislang zu wenig getan.»

30 Prozent der Passagiere aus Deutschland

Dieser Vorwurf kommt beim Flughafen nicht gut an. «Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir nicht kooperativ waren», sagte Sprecher Alexander Klaus auf Anfrage. In den vergangenen Jahren sei man den Anwohnern mit vielen Massnahmen entgegengekommen, etwa mit Schallschutzfenstern und einem Verbot von sehr lauten Maschinen.

«Wir nehmen die Probleme der Lärmgeplagten ernst», sagte Klaus weiter. Man müsse aber auch bedenken, dass sich nur eine Minderheit wirklich gestört fühle. Wie auch in Zürich weist man auch in Salzburg darauf hin, dass der Flughafen intensiv von Deutschen genutzt werde. 30 Prozent der Passagiere und 10 Prozent der Mitarbeiter stammen gemäss Angaben des Flughafens aus Bayern.

Bis auf Weiteres können die Salzburger nur auf die Fakten warten. Man hofft zudem, dass sich Ramsauers Engagement grösstenteils als Wahlkampf entpuppt. Der CSU-Verkehrsminister kommt aus dem Wahlkreis Traunstein, zu dem auch Freilassing gehört. Man werde sehen, was nach den Wahlen im September von der Drohung übrigbleibe.

In Zürich wurde die einseitige Verordnung im Jahr 2003 Realität. Die Anflüge über Deutschland wurden damit eingeschränkt. Die Maschinen fliegen seither vermehrt über Schweizer Gebiet nach Zürich, was für gewisse Regionen um den Flughafen mehr Lärm bedeutet. (sda)

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