22.04.2015 08:36

Tödliches DNPDiätpillen verbrannten 21-jährige Ella von innen

In England erlitt die 21-jährige Studentin Ella einen grauenhaften Tod, weil sie acht Pillen mit der hochgiftigen Industriechemikalie DNP schluckte.

von
sut
1 / 8
Eloise «Ella» Parry starb am 12. April 2015 an einer Überdosis Diätpillen.

Eloise «Ella» Parry starb am 12. April 2015 an einer Überdosis Diätpillen.

Facebook
Ihre Mutter Fiona erzählt, dass die im Internet gekauften Pillen die hochgiftige Chemikalie DNP (2,4-Dinitrophenol) enthielten.

Ihre Mutter Fiona erzählt, dass die im Internet gekauften Pillen die hochgiftige Chemikalie DNP (2,4-Dinitrophenol) enthielten.

BBC Screengrab
Ella nahm die Pillen, weil sie unter Bulimie litt.

Ella nahm die Pillen, weil sie unter Bulimie litt.

Facebook

Der quirligen Eloise «Ella» Parry stand das Leben noch bevor. Die 21-jährige Pädagogik-Studentin an der Glyndwr-Universität in Wales freute sich darauf, später mit Jugendlichen zu arbeiten und selbst eine Familie zu gründen. Doch am 12. April starb sie – wegen Diätpillen.

Die rothaarige Frau hatte die Tabletten im Internet bestellt. Am schicksalhaften Tag nimmt sie nicht nur eine, sondern gleich acht davon. «Wie viele von uns haben sich nicht schon gedacht, wenn eine Pille funktioniert, dann schadet es nicht, zwei oder mehr davon zu nehmen?», schreibt Ellas Mutter Fiona laut der Polizei der Grafschaft West Mercia in einer herzzerreissenden Hommage an ihre Tochter.

Entwickelt als Sprengstoff

Nach der Schilderung der Mutter war der Himmel an jenem Sonntag fast wolkenlos blau und voller Versprechen. Am Morgen nahm Eloise acht Pillen zu sich, ohne zu wissen, dass sie die hochgiftige Chemikalie DNP enthielten. Die ausgeschrieben 2,4-Dinitrophenol heissende Substanz wurde ab 1919 in Frankreich zur Herstellung von Sprengstoff verwendet. Laut Wikipedia entdeckte man ihre physiologische Wirkung bei Arbeitern in Munitionsfabriken. DNP war in den USA ab 1933 als Medikament zur Gewichtsabnahme erhältlich. Doch 1938 wurde es wegen schwerer bis tödlicher Nebenwirkungen verboten.

Ella Parry wurde bald so unwohl, dass sie die Notfallstation des Spitals von Shrewsbury aufsuchte. «Sie erklärte, was sie geschluckt hatte, und es gab keine grosse Panik, denn sie konnte noch klar denken», erzählt die Mutter. Das habe sich geändert, als der Toxikologie-Bericht aus dem Labor kam. Doch da war die Droge schon in ihrem Körper. «Es gab kein Gegenmittel, schon zwei Tabletten sind eine tödliche Dosis – sie hatte acht genommen.»

Extrem gesteigerter Metabolismus

2,4-Dinitrophenol blockiert die innere Atmung von Körperzellen. Wikipedia zählt als Nebenwirkungen unter anderem auf: Blutdruckabfall, Herzrasen, Luftnot, Kopfschmerzen, Unruhe, Überhitzung, Brennen der Haut, Nierenversagen, Leberstörungen, Multiorganversagen und plötzlicher Herztod.

Wie die Mutter schreibt, versuchten die Notfallmediziner bei Ella Parry alles. «Als ihr Metabolismus hochjagte, versuchten sie sie zu kühlen, aber es war aussichtslos. Sie verbrannte buchstäblich von innen.» Die junge Frau wurde künstlich beatmet, und als ihr Herz stehen blieb, versuchte man sie zu reanimieren. Doch die Ärzte hatten keine Chance. Fiona Parry schreibt: «Etwa um 15 Uhr starb meine Tochter Eloise Aimee an einer Überdosis. Draussen begann es sanft zu regnen.»

«Es ist eine grauenhafte Art zu sterben»

Die trauernde Mutter erzählte der «Daily Mail», dass ihre Ella schon früh in der Schule wegen ihrer roten Haare gehänselt worden sei. «Kinder sind grausam, das war der Auslöser.» Sie vermutet, dass die Tochter aus Unsicherheit begonnen habe, Diätpillen einzunehmen. «Sie hatte Probleme mit Bulimie und war deswegen in Behandlung. Ich nehme an, sie nahm die Pillen, weil sie unter dem Druck stand, schlanker zu sein.»

Für andere Mädchen und Frauen hat die Mutter nur eine Botschaft: «Bitte nehmt dieses Mittel nicht. Es ist eine grauenhafte Art zu sterben.»

BBC-Interview mit der Ellas Mutter (englisch):

(Quelle: BBC)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.