NHL: Diaz trifft für Montreal und verliert trotzdem
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NHLDiaz trifft für Montreal und verliert trotzdem

Raphael Diaz hat am Dienstagabend sein erstes NHL-Tor erzielt. Sein Headcoach Jacques Martin ist voll des Lobes. Wegen der 1:3-Niederlage gegen die Buffalo Sabres ist es aber ein schwacher Trost für ihn.

von
Jürg Federer
Montreal

Raphael Diaz' Treffer für die Montreal Canadiens gegen die Buffalo Sabres. (Video: NHL.com)

Kurz nach der Partie Montreal gegen Buffalo sitzt ein niedergeschlagener Raphael Diaz in der Kabine der Montreal Canadiens. Er ist erschöpft und kaut an einem Happen Brot. Diaz hat soeben sein erstes Tor in der NHL erzielt und er wurde nach einem guten Spiel zum dritten Star der Partie gewählt. «Wir haben verloren», ist sein erster Kommentar. Die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Diaz' erster NHL-Treffer war nicht irgendein Tor, sondern ein Highlight des Abends. «Max Pacioretty hat mir einen schönen Pass gespielt, ich bin in den Angriff übergegangen und brachte die Scheibe um den gegnerischen Torhüter herum ins Tor», rekapituliert er. Seine offensiven Qualitäten, die in Zug bekannt wurden, konnte Diaz mühelos auf NHL-Niveau steigern. «Diaz ist der beste Montreal-Verteidiger, wenn es darum geht, den Puck aufs Tor zu bringen», lobt ihn Montreal-Headcoach Jacques Martin gegenüber 20 Minuten Online. Eine Adelung von einem der wortkargsten Trainer der gesamten NHL, der sich kaum zu Lob und auch nicht zu Tadel hinreissen lässt. Der klubeigene TV-Sender will Diaz gleich nach der Partie vom Dienstagabend sprechen, Diaz' Worte werden im Stadion live übertragen. 20 000 heissblütige Hockeyfans hängen Diaz an den Lippen.

Diaz übt Selbstkritik

Diaz selbst ist von dieser Entwicklung überrascht, das Lob vom Coach lässt er aber nicht im Raum stehen. «Wichtig ist für einen Verteidiger, dass er Tore verhindert. Ich muss mein Defensivspiel verbessern, in der eigenen Zone werde ich noch zu oft herumgeschubst.» Das sage ihm auch der Assistenztrainer der Montreal Canadiens regelmässig. Deshalb wolle er sich gar nicht auf seinem Torerfolg ausruhen. «Ich habe noch zu viele Schweizer Automatismen in meinem Spiel, schliesslich habe ich ein Leben lang in Europa Eishockey gespielt. In der NHL gelten andere Regeln und meine Schweizer Spielweise ist wie eine schlechte Angewohnheit, die ich mir nun abgewöhnen muss.» Früher hat sich Diaz nur am Rande für die NHL interessiert, «weil ich gar nie daran gedacht habe, dass ich in der NHL spielen könnte.» Nun schaut er sich im TV Spielszenen von NHL-Partien an, er beobachtet seine Gegenspieler und seine Trainingskollegen. «Ich lerne täglich und ich bin noch lange nicht in der NHL angekommen. Das Tor, das ich am Dienstag erzielt habe, ist einfach ein weiterer Schritt.»

Fünf Minuten nachdem Diaz den Medien Rede und Antwort gestanden ist, erhält er den Puck, den er zur 1:0-Führung ins Netz der Buffalo Sabres geschossen hat. Er ist mit Klebeband eingefasst, darauf steht «Diaz, 1st NHL-Goal». «Ich weiss noch nicht, was ich mit diesem Puck machen werde, Pläne zu schmieden war noch nie mein Ding.» Zum Fototermin mit dem Klubfotografen hält Diaz den Puck artig in die Kamera, lachen mag er immer noch nicht. «In meiner Karriere habe ich mich immer nur darauf konzentriert, was ich im Moment für mein Team tun kann», sagt Diaz. Und weil er mit seiner Mannschaft gegen Buffalo verloren hat, ist sein erstes NHL-Tor ein bitterer Erfolg für ihn. Und das Lob des Coaches schmeichelt zwar, doch wer offensiv geadelt wird, kann sich defensiv noch verbessern. Ein NHL-Tor zu erzielen ist deshalb gar nicht Diaz' primäres Ziel. Er will besser werden beim Toreverhindern, damit hilft er seinem Team.

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