Gamescom 2018: Dichtestress, der Tod und keine Booth-Babes
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Gamescom 2018Dichtestress, der Tod und keine Booth-Babes

Es ist Gamescom und die Hölle ist dagegen ein Paradies. Ein Tag im Leben der grössten Game-Messe der Welt, heuer in Köln.

von
Jan Graber
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Eine Figur aus dem Spiel «Darksiders» steht vor dem Stand des US-amerikanischen Entwicklerstudios Vigil Games.

Eine Figur aus dem Spiel «Darksiders» steht vor dem Stand des US-amerikanischen Entwicklerstudios Vigil Games.

Keystone/Oliver Berg
Mehrere tausend Besucher drängen sich täglich auf engem Raum.

Mehrere tausend Besucher drängen sich täglich auf engem Raum.

Keystone/Oliver Berg
Der eiserne Thron: Eine Besucherin fühlt sich auf dem Stand des Spiels «Game of Thrones» als Königin. Ob das eine gute Idee ist?

Der eiserne Thron: Eine Besucherin fühlt sich auf dem Stand des Spiels «Game of Thrones» als Königin. Ob das eine gute Idee ist?

Keystone/Oliver Berg

9.45 Uhr. Noch ist es ruhig im Gang zwischen Halle 10 und 11. Nur die Security wirkt nervös und verweist Leute, die rumstehen, vom Platz. Sie weiss, was kommen wird: der Ansturm auf die Gamescom 2018 hier in Köln.

9.55 Uhr. Schon tauchen die Ersten auf: Fans im Rollstuhl, an Krücken und sogar ein Blinder mit Begleitung. Sie werden vor allen anderen eingelassen, damit sie nicht überrannt werden.

10.00 Uhr. Die Dämme brechen. Tausende strömen herein, sie strengen sich an, nicht zu rennen. Die alten Hasen wissen, wo sie hinmüssen, die Neulinge suchen verwirrt den Weg oder folgen einfach der Masse.

10.20 Uhr. Die Hallen bersten. Aus den Boxen der Stände krachen ohrenbetäubende Musik und Spielsounds. Über riesige Bildschirme flackern Gameszenen und auf den Bühnen machen sich die Animateure bereit dazu, den Fans Goodies zu verteilen.

10.27 Uhr. Blizzard hat wieder geklotzt und nicht gekleckert: Der ringartige Bereich mit «Hearthstone», «Overwatch», «Diablo 3» und weiteren Blizzard-Krachern überwältigt. Fast lächerlich klein dagegen der Stand von Playstation. Was ist passiert mit dem Spielkonsolen-König?

Rundgang an der Gamescom 2018

Die bedeutenste öffentliche Gamemesse, hat die Türen aufgestossen. Erste Eindrücke von der Gamescom.

Das Nadelöhr

11.03 Uhr. Keine Booth Babes! Die Zeit der leichtbekleideten Damen, welche die Fans verführen, ist vorbei. Einzig am «World of Tanks»-Stand bringen sich gertenschlanke junge Frauen in schnittigen Uniformen in Pose. Sie wirken irgendwie fehl am Platz.

11.18 Uhr. Das Nadelöhr, eine Verengung der Gänge zwischen Halle 5 und 6: die Mutprobe für Menschenscheue. Hier stauen sich die Fans, treten einander auf die Füsse und schieben sich dicht gedrängt Schrittchen um Schrittchen vorwärts. Es dauert ewig, bis man durch ist. Platzangst ist hier nicht wirklich hilfreich. Wer Bescheid weiss, nimmt den alternativen Weg über den Innenhof.

11.45 Uhr: Wasser! Die unzähligen Kilometer zehren an den Kräften. Nichts wie zum nächsten Foodstand und den Durst löschen.

12.10 Wasser. Schon wieder anstehen. Während sich Fachbesucher im Businessbereich in Restaurants bedienen lassen, bilden sich Schlangen an den Foodständen zwischen den Hallen. Es gibt alles: von Pizza und Pasta über Burger und Streetfood bis zu asiatischen und exotischen Gerichten.

Begegnung mit dem Tod

13.45 Uhr. Die schwarze Gestalt kommt direkt auf mich zu. Kein Gesicht, nur eine schwarze Kapuze und die Sichel. Der Tod! Der Atem stockt, ist es so weit? Doch er beginnt nur ein Spiel mit der Kamera. Die Gamescom ist eine feste Destination für Cosplayer. Von Fantasyfiguren über Krieger bis hin zum Schnitter gibts hier alles. Echt aussehende Waffen bleiben allerdings an der Security hängen.

14.12 Uhr. Die Spitfire, die bei Electronic Arts über den Köpfen der «Battlefield V»-Fans baumelt, wirkt schon ziemlich cool. Für Games wie diese nehmen Fans ein paar Stunden Wartezeit in Kauf. Generell ist an der Gamescom viel Kriegsgerät zu sehen. Sogar die Bundeswehr wirbt für (echte) Kriegsspiele.

15.04 Uhr. In der hinterletzten Halle, im hinterletzten Eck: «Fornite»! Das Durchschnittsalter der Fans: zirka 14 Jahre. Am Stand: keine Games, stattdessen ein Erlebnispark. Disney World? Irgendwie habe ich mir den Stand eindrücklicher vorgestellt.

15.52 Uhr. Die Füsse schmerzen, die Beine sind erschöpft. Hinsetzen, ausruhen. Ruhe? Es ist Gamescom! Also weiter.

Heisser als die Sonne

16.26 Uhr. Grosse, Kleine, Dicke, Dünne, Junge und Alte – egal: Ihnen allen leuchtet auch Stunden später noch das Staunen aus den Augen. Manche schleppen überdimensionierte Taschen voller Fanartikel mit. Viele tragen Kartonschilder oder Kartonhüte.

17.05 Uhr. Die Indie-Arena. Genauso grosser Dichtestress wie bei den grossen Playern. Erstaunlich, wie viele sich mittlerweile für Indie-Games interessieren.

17.30 Uhr. Pressetermin bei CD Project Red: «Cyberpunk 2077». Das Spiel bläst mich weg. Eines der schärfsten Spiele, die an der diesjährigen Gamescom gezeigt werden.

19.00 Uhr. Obwohl die Hallen noch eine weitere Stunde offen hätten, ist bei mir der Ofen aus. Raus an die frische Luft – wo 30 Grad drücken. Aber so heiss wie drin an der Gamescom kann auch das schönste Wetter nicht sein.

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