Aktualisiert 15.12.2010 09:00

UBS-DresscodeDicke Brieftaschen in Sakkos sind tabu

Nur hautfarbene Unterwäsche, keine gefärbten Haare, keine Zwiebeln: Die UBS regelt das Verhalten ihrer Mitarbeitenden bis ins Intimste.

von
R. Moresi und L. Hanselmann
Nichts wird dem Zufall überlassen: Die Dresscode-Bibel der UBS umfasst 44 Seiten.

Nichts wird dem Zufall überlassen: Die Dresscode-Bibel der UBS umfasst 44 Seiten.

Die Kundenberater der neu eröffneten UBS-Filialen Kloten, Emmenbrücke, Adliswil, Ascona und Sion dürften sich ganz genau überlegen, wie sie morgens das Haus verlassen. Für sie gilt neuerdings nämlich eine 44-seitige Dresscode-Bibel, die nichts dem Zufall überlässt. Dicke Brieftaschen in den Sakkos sind tabu, nachmittags wird kein Parfüm mehr aufgetragen und auf knoblauch- sowie zwiebelhaltige Speisen sollen die Angestellten unter der ­Woche sowieso komplett verzichten. Gefärbte Haare seien «wenig überzeugend», hingegen wird den Mitarbeitern eine Feuchtigkeits­crème und alle vier Wochen ein Coiffeur-Besuch ans Herz gelegt. Doch damit nicht genug: Sogar die Art der Dessous («hautfarben und knitterfrei») ist schriftlich geregelt.

«Alles nur Empfehlungen», wiegelt UBS-Sprecher Jean-Raphaël Fontannaz ab. Der Kodex werde die nächsten paar Monate in den fünf neuen Geschäftsstellen getestet. «Wir möchten bei unserem Personal und den Kunden Erfahrungen damit sammeln. Danach entscheiden wir, ob wir den Dresscode so übernehmen oder ob Anpassungen notwendig sind», so Fontannaz.

Fest steht: UBS-intern sorgt das Papier bereits für Unmut. «Da können wir nur den Kopf schütteln», nerven sich Mitarbeiter gegenüber 20 Minuten. Verblüfft ist auch der Arbeitsrechts-Fachanwalt Georges Chanson: «Vorgaben zu Make-up, Bartlänge oder zur Farbe der Unterhose gehen meiner Meinung nach zu weit. Damit greift der Arbeitgeber in die Persönlichkeitsrechte der Angestellten ein.»

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