TOKIO HOTEL KULT: Dicke Post für Bill & Co.
Aktualisiert

TOKIO HOTEL KULTDicke Post für Bill & Co.

Jennifer Hefti und ihre Schwester Samantha haben einen Fan-Brief an Tokio Hotel geschrieben. Einen Fan-Brief, der fast Weltrekord-Geschichte gemacht hätte. Nur schade, wollen Bill & Co. ihn nicht haben.

von
Manfred Sim Toppel

Wer Jennifers Zimmer betritt, weiss auf Anhieb, für welche Pop-Band ihr Herz schlägt. Ob es nun die knallorange Wanduhr mit Bill Kaulitz auf dem Zifferblatt ist, der liebevoll auf der Sofalehne ausgebreitete Fan-Schal oder die beiden Bilderrahmen mit Bill und Tom, von denen je einer rechts und links auf dem Schreibtisch Jennifer beim Arbeiten am Computer zuschaut. Überall in diesem «Tokio Hotel» findet die ostdeutsche Welterfolgsband statt. Doch ihre extremste Fan-Phase hat die Wohlerin hinter sich. Sagt sie doch: «Früher waren alle Wände mit Postern von Tokio Hotel tapeziert.»

Im hinteren Teil des Zimmers, unter der Dachschräge nimmt man danach, erst auf den zweiten Blick, wahr, wie gross die Leidenschaft der heute 18-Jährigen für Tokio Hotel sein muss oder zumindest war. Da liegt er, der vermutlich längste Fan-Brief der Schweiz: Unglaubliche 12 Kilometer Brief am Stück liegen da, auf insgesamt neun fast schon unscheinbar wirkende Papierstapel verteilt. Erst als Jennifer einige Bögen, der in Wort gefassten Tokio-Hotel-Bewunderung auf dem Boden ausbreitet, begreift man ansatzweise, wie lange dieser Brief wirklich ist. Jennifer, ihre Schwester Samantha, «mit th, wie Tokio Hotel», sowie zehn bis 15 Helfer schrieben an dem Fan-Brief mit.

«Eine Idee des Vaters»

«Am 30. April 2006 haben wir damit begonnen und etwa eineinhalb Jahre später war er fertig», erklärt Jennifer. Dabei ist das nicht ihr erster Brief, der gleich ganze Strassenzüge bedecken könnte. Die beiden Schwestern hatten bereits früher literarische Post an Bill & Co. verfasst. Damals kamen sie aber «nur» auf 1,4 Kilometer. «Aber nachdem das nichts gebracht hat, hat mein Vater gesagt, 'dann schreibt doch 12 Kilometer'. Wir wollten halt einfach die Jungs mal treffen», begründet Jennifer ihren Schreibeifer. Ausserdem wollten sie den Weltrekord brechen. Aber «wir hätten 13 Kilometer schreiben müssen. Es gibt schon einen 12-Kilometer-Brief an die Beatles.»

Eine Fortsetzung des Briefes planen die beiden jedoch nicht, «die Ideen sind nicht mehr so da», sagt Jennifer, «aber wenn es verlangt würde, würden wir es schon machen», fügt sie verschmitzt lächelnd hinzu.

Management nicht interessiert an dem Brief

Obwohl die Mädels schon mehrfach das Management und die deutsche Plattenfirma der Tokio-Jungs kontaktiert haben, war der Bescheid immer negativ. «Sie haben kein Interesse, haben sie gesagt», so Jennifer, «und die Plattenfirma hat uns nicht einmal weiterverbunden».

Natürlich ist die Frage berechtigt, was die vier deutschen Jungs, die weltweit die Welt der Teenager erobern, mit 12000 Metern Gedichten, Bild-Collagen und Texten anfangen sollen. Aber Jennifer ist Realistin genug, um zu wissen, dass Bill und Co. niemals den ganzen Brief durchlesen würden. In erster Linie geht es ihr auch vielmehr darum, «ein Zeichen zu setzen», dass Tokio Hotel erkennen, dass ihre Fans in der Deutschschweiz zu ihnen halten.

Deadline Juli 2008

Die beiden Schwestern wollen anlässlich des Genfer Konzerts von Tokio Hotel dieses Jahr noch einen letzten Anlauf nehmen, den Brief endlich der Band zu überreichen. Und wenn das wieder schief geht? «Dann werfen wir ihn vielleicht weg oder verbrennen ihn. Schliesslich wären die Porto-Kosten viel zu hoch, wenn wir den ganzen Brief per Post schicken würden», meint Jennifer resigniert. Wäre eigentlich schade, wenn dieses liebevolle Kunstwerk aus Wohlen einfach so klang- und sanglos verschwinden würde.

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