Dicksein ist biologisch der Normalfall
Aktualisiert

Dicksein ist biologisch der Normalfall

Die Hoffnung, Übergewicht in naher Zukunft mittels Gentechnik behandeln zu können, schwindet. Wissenschaftler fanden heraus, dass zigtausende Gene Einfluss auf die Figur haben.

Essen, was man will und trotzdem eine Traumfigur haben? Diese Kombination ist für viele auch weiterhin eher Wunschdenken. Michael G. Tordoff und seine Kollegen vom Monell Chemical Senses Center in Philadelphia haben erstmals die Zahl der Gene errechnet, die das individuelle Gewicht mitbestimmen. Mehr als 6000 Gene sind ihrer Meinung nach am Zustandekommen der Körperfigur beteiligt, rund ein Viertel des gesamten Genoms.

Dickmacher überwiegen

Es kommt noch schlimmer: Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es zehnmal so viele Gene gibt, die das Gewicht erhöhen, als Gene, die als Schlankmacher fungieren. «Das könnte erklären, warum es so viel leichter fällt, zu- als abzunehmen», erklärt Tordoff im Biomed Central Genetics Online-Journal.

Gen für Gen

Das Forscherteam arbeitete bei der Studie mit Labormäusen, denen die Genforscher – meist nach dem Zufallsprinzip – ein bestimmtes Gen ausschalteten und die Auswirkung auf das Gewicht der Testmäuse beobachteten. 31 Prozent der Tiere wogen weniger als die Kontrolltiere – was darauf hinweist, dass die ausgeschalteten Gene im aktiven Zustand das Gewicht erhöhen. Drei Prozent der Knockoutmäuse wogen mehr, was vermuten lässt, dass «Schlankheitsgene» inaktiv waren.

Zwar sind die Ergebnisse der Mausforschung nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Mehr als 95 Prozent von Menschen- und Mäusegenom stimmen jedoch überein. Immer wieder haben in jüngster Zeit verschiedene Wissenschaftsgruppen die Entdeckung eines weiteren Übergewichtgens verkündet, «jedes davon trägt aber nur einen Bruchteil zum Gesamtgewicht bei», erklärt Michael G. Tordoff den Stand der aktuellen Forschung.

Deine Meinung