Didier Cuche nur von Bode Miller geschlagen
Aktualisiert

Didier Cuche nur von Bode Miller geschlagen

Die Silbermedaille des Bündners Marc Berthod in der Super-Kombination hat den Schweizer Skicracks offenbar Mut gemacht: In der Abfahrt von Beaver Creek holte sich Didier Cuche hinter dem Amerikaner Bode Miller den zweiten Platz. Ambrosi Hoffmann wurde nach groben Fehlern Zwölfter, Bruno Kernen schied aus.

Didier Cuche ist zurück. Der Neuenburger wurde in der Weltcup-Abfahrt in Beaver Creek, Colorado (USA), hinter dem Amerikaner Bode Miller Zweiter und sicherte sich seinen ersten Podestplatz seit dem Kreuzbandriss vor zwei Jahren.

Am Donnerstag hatten Marc Berthod als Zweitem 19 Hundertstel zum Sieg in der Super-Kombination gefehlt, nun schrammte Didier Cuche um 15 Hundertstel am obersten Podiumsplatz vorbei. An die knappe Entscheidung verschwendete der Romand allerdings keinen einzigen Gedanken. «Ich bin überglücklich - vor allem, wenn ich an die letzte Saison denke.» Im Gegensatz zum Vorwinter, als er nach dem im Januar 2005 in Adelboden erlittenen Kreuzbandriss die Vorbereitung verspätet in Angriff nehmen konnte und ihm das operierte Knie lange Zeit Probleme bereitete, verliefen diesmal die vorsaisonalen Trainings wieder störungsfrei. Dazu gesellte sich der völlig reibungslos verlaufene Materialwechsel (von Atomic zu Head).

«Es macht wieder Spass»

In der optimal verlaufenen Aufbauphase kehrte auch Cuches Selbstvertrauen zurück; eine Kostprobe davon lieferte er in der bei ständigem Schneefall und entsprechend eingeschränkter Sicht ausgetragenen Abfahrt ab. Trotz dieser Umstände war er bereit, das für Spitzenplätze unabdingbare Risiko einzugehen. «Im Vergleich zur letzten Saison gehts wieder zehnmal einfacher. So macht das Ganze wieder Spass. Der Cuche der früheren Tage ist wieder da.»

Cuche fuhr erstmals seit zwei Jahren wieder unter die ersten drei; im Dezember 2004 war er im Riesenslalom in Hermann Maiers Heimat Flachau ebenfalls Zweiter geworden. In Beaver Creek sorgte er zudem für eine Premiere. Cuche hatte vor vier Jahren hier wohl den Super-G gewonnen. In den vorangegangenen zehn Abfahrten auf der «Birds of Prey», die WM 1999 eingerechnet, hatte es noch kein Schweizer aufs Podest geschafft.

Neben Cuche gelang keinem weiteren Schweizer der Sprung in die Top Ten. Die nächstbesten Vertreter von Swiss-Ski waren Ambrosi Hoffmann (12.), Tobias Grünenfelder (16.) und Didier Défago (21.). Hoffmann büsste den grössten Teil des Rückstands im obersten, flachen Streckenteil ein. Auf diesen ersten 28 Fahrsekunden liess er exakt jene neun Zehntel auf Cuche liegen, die er auch im Ziel als Rückstand auf seinen Teamkollegen aufwies. Der Davoser, der wegen des Sturzes des unmittelbar vor ihm ins Rennen gegangenen Österreichers Christoph Gruber über Gebühr lange im Starthaus verharren musste, zählte wie Cuche, Défago und Kernen zu jenen Fahrern, die sich nach einem Unterbruch mit ihrem Einsatz zu gedulden hatten.

Millers Rückmeldung

Auf imposante Weise zurückgemeldet hat sich auch Bode Miller. Der Superstar liess mit seinem 22. Weltcup-Sieg erstmals den Worten seines Chefcoachs Phil McNichol Taten folgen, der seinen Schützling vor Saisonbeginn als den «besten Bode überhaupt» angekündigt hatte. Miller habe im Sommer seine Motivation wieder gefunden und sei so fit wie seit Jahren nicht mehr, hatte McNichol geurteilt. Mit seinen ersten Auftritten vermochte Miller die Einschätzung seines Trainers nicht zu bestätigen. In Levi war ihm im Slalom nur der 39. Rang geblieben, in Lake Louise war er nicht über die Plätze 29 (Abfahrt) und 14 (Super-G) hinaus gekommen.

Mit der Anreise nach Colorado änderte sich das Bild dann aber schlagartig. Mit der deutlichen Bestzeit in der Abfahrt der Super- Kombination deutete er ein erstes Mal seine Stärke an, nun sorgte Miller für den dritten amerikanischen Abfahrtssieg in Beaver Creek in Folge. Er selber hatte 2004 gesiegt, im letzten Jahr hatten der mittlerweile zurückgetretene Daron Rahlves und er sogar für einen Doppelerfolg gesorgt.

Wenig fehlte, und die einheimischen Zuschauer hätten erneut einen «Doppelten» feiern können. 18 Hundertstel hinter Cuche sicherte sich Steven Nyman seine ersten Podiumsplatz. Der Allrounder aus Park City, 2002 Junioren-Weltmeister im Slalom und in Lake Louise einmal Trainingsschnellster, hatte vor der Saison abseits der Piste für Aufsehen gesorgt, als er seinen Kopfsponsor übers «Netz» suchte und (mit Erfolg) die Werbefläche über das Internet-Auktionshaus eBay anbot.

Österreicher klar geschlagen

In Lake Louise hatten die erfolgsverwöhnten Österreicher mit Hans Grugger ihren besten Mann auf Platz 4 gebracht, nun kam es für das ÖSV-Team noch schlimmer. Michael Walchhofer, der Abfahrts-Weltcupsieger der vergangenen zwei Winter, musste sich als Bestklassierter mit Rang 5 bescheiden. Daneben ist nur noch der junge Mario Scheiber als Neunter unter den ersten zehn zu finden.

Weltcup-Abfahrt Männer, Schlussklassement: 1. Bode Miller (USA) 1:46,15. 2. Didier Cuche (Sz) 0,15 zurück. 3. Steven Nyman (USA) 0,33. 4. Peter Fill (It) 0,38. 5. Michael Walchhofer (Ö) 0,97. 6. Kurt Sulzenbacher (It) 1,03. 7. Marco Büchel (Lie) 1,31. 8. Scott Macartney (USA) 1,32. 9. Mario Scheiber (Ö) 1,38. 10. Marco Sullivan (USA) 1,45. 11. Patrick Staudacher (It) 1,47. 12. Andrej Jerman (Sln) und Ambrosi Hoffmann (Sz) 1,52. 14. Aksel Lund Svindal (No) 1,54. 15. Johan Clarey (Fr) 1,60.

16. Tobias Grünenfelder (Sz) 1,62. 17. Klaus Kröll (Ö) und Yannick Bertrand (Fr) 1,66. 19. Fritz Strobl (Ö) 1,67. 20. Pierre- Emmanuel Dalcin (Fr) 1,73. 21. Didier Défago (Sz) 1,85. 22. Walter Girardi (It) 1,97. 23. John Kucera (Ka) und Hermann Maier (Ö) 1,98. 25. François Bourque (Ka) 2,12. 26. Marc Bottollier (Fr) 2,19. 27. Manuel Osborne (Ka) 2,20. 28. Johann Grugger (Ö) 2,23. 29. David Poisson (Fr) 2,24. 30. Roland Fischnaller (It) 2,26.

Ferner: 37. Silvan Zurbriggen 2,72. 39. Patrick Järbyn (Sd, 3. von Lake Louise) 2,82. 40. Jürg Grünenfelder 2,86. 48. Bernhard Matti (Sz) 3,94. 49. Olivier Brand (Sz) 4,00. 51. Olympiasieger Antoine Dénériaz (Fr) 4,19. - 56 Fahrer gestartet, 52 klassiert; ausgeschieden u.a. Bruno Kernen (Sz), Christoph Gruber (Ö) und Erik Guay (Ö).

Technische Daten: Piste Birds of Prey, 2771 m, 757 m HD, Kurssetzer Helmuth Schmalzl (FIS), 42 Tore.

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