Deutschland – Brasilien: Die 1:7-Klatsche muss aus den brasilianischen Köpfen
Aktualisiert

Deutschland – BrasilienDie 1:7-Klatsche muss aus den brasilianischen Köpfen

Brasilien spielt erstmals seit dem Drama an der Heim-WM 2014 wieder gegen Deutschland. Der wichtigste Spieler fehlt der Seleção erneut.

von
Adrian Hunziker

Es war die höchste Klatsche, die die brasilianische Fussball-Nationalmannschaft je kassierte (1920 gab es noch ein 0:6 in Uruguay). Und das an einer WM, dazu noch im Halbfinal – und im eigenen Land! Der fünfmalige Weltmeister wurde von Deutschland überrannt und gedemütigt. 7:1 siegte der spätere Weltmeister am 8. Juli 2014 in Belo Horizonte.

Nach der ersten Halbzeit hatte das DFB-Team bereits 5:0 geführt. In der Pause musste Bundestrainer Joachim Löw seine Mannschaft, die sich in einen Rausch gespielt hatte, bremsen. «Ich wollte nicht, dass irgendeiner anfängt, die Brasilianer vor einem Millionenpublikum lächerlich zu machen. Der Respekt der Brasilianer gegenüber uns war im ganzen Land sehr gross. Und für mich war völlig ausgeschlossen, dass wir sie demütigen oder ihnen nun arrogant begegnen», sagte Löw nach dem historischen Halbfinal.

Trainer Tite wollte gegen Deutschland testen

Seither sind beinahe vier Jahre vergangen – aber die Pleite steckt bei den Brasilianern noch immer in den Köpfen. Am Dienstag um 20.45 Uhr stehen sich die beiden Nationalmannschaften erstmals wieder gegenüber – in einem Testspiel in Berlin. Die Seleção will es unbedingt verhindern, erneut unter die Räder zu kommen. Gut, es ist nur ein Testspiel und kein WM-Halbfinal, aber die Brasilianer wollen Wiedergutmachung.

«Trainer Tite war es besonders wichtig, vor der WM 2018 unbedingt noch einmal gegen Deutschland zu spielen, um das Trauma zu überwinden. Das 1:7 soll aus den Köpfen. Brasilien will zeigen, dass es doch mithalten kann gegen Deutschland», sagt Cacau, gebürtiger Brasilianer und ehemaliger deutscher Nationalspieler.

Der grosse Abwesende

Doch der fünffache Weltmeister, der an der WM 2018 in Russland Gruppengegner der Schweiz ist, muss in Berlin wie auch schon damals in Belo Horizonte auf den wichtigsten Spieler im Kader verzichten: Neymar da Silva Santos Júnior, kurz Neymar.

Der zurzeit teuerste Fussballer der Welt fehlt dieses Mal mit einer Fussverletzung. In Brasilien vor vier Jahren hatte ihn der Kolumbianer Juan Zúñiga im Viertelfinal am Rücken verletzt, so dass der damals 22-Jährige wegen eines Bruchs des dritten Lendenwirbels für den Rest des Turniers ausfiel.

Deutschlands beeindruckende Serie

An ein erneutes Schützenfest der Deutschen glauben nicht einmal die Gastgeber selber. Ilkay Gündogan, der an der WM 2014 gefehlt hatte, sagt: «Wir sassen damals ungläubig vor dem Fernseher.» Und der 27-Jährige in Diensten von Manchester City fügt an: «Sie sind ähnlich stark wie die Spanier. Brasilien hat eine Entwicklung gemacht, die ihresgleichen sucht.» Mittelfeld-Motor Toni Kroos ergänzt: «Ich finde Brasilien heute zwei Klassen besser als 2014.»

Zur Erinnerung: Deutschland spielte am Freitag 1:1 gegen Spanien (den deutschen Treffer markierte Thomas Müller, die Redaktion) und weist zurzeit eine Serie von 22 Spielen ohne Niederlage auf. Sollte das DFB-Team auch gegen Brasilien nicht verlieren, würde Trainer Löw die DFB-Bestmarke von Jupp Derwall, die bereits 38 Jahre alt ist, egalisieren. Brasilien gewann am Freitag 3:0 gegen WM-Gastgeber Russland. Da Neymar wie bereits erwähnt nicht für die Tore sorgen konnte, übernahmen das Miranda, Philippe Coutinho und Paulinho.

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