Airbus-Absturz: Die 3 Szenarien zum Germanwings-Crash
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Airbus-AbsturzDie 3 Szenarien zum Germanwings-Crash

Experten rätseln über die Ursache des A320-Absturzes. Zurzeit kursieren drei Theorien.

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kko/gux
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Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben.

Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben.

Keystone/Guillaume Horcajuelo
Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen.

Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen.

epa/Foto-team-mueller
Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt.

Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt.

Was verursachte den Absturz des Germanwings-Flugs 4U 9525, der mit 150 Menschen an Bord in den südfranzösischen Alpen zerschellte? Zuzeit kursieren drei Theorien: ein Terroranschlag, ein plötzlicher Druckabfall im Bordinneren und eine Fehlfunktion des Bordcomputers.

Die Theorie eines Terroranschlags ist am wackligsten. Laut US-Sicherheitsbehörden gibt es bisher keinen Hinweis, der diese These stützen würde. Sicherheitsbehörden in Deutschland bestätigen diese Angaben. Trotzdem prüft die spanische Polizei die Videoaufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie die Passagiere in Barcelona in die Maschine einsteigen.

Plötzlicher Druckabfall

Eine weitere Theorie ist diejenige des plötzlichen Druckabfalls etwa durch eine Explosion, wodurch die Luft aus dem Flugzeuginneren gesaugt wird. Laut der deutschen Zeitung «Bild». Die Folgen eines Druckabfalls sind eine starke Abkühlung des Kabinenraums und Sauerstoffmangel – eine tödliche Gefahr für die Menschen an Bord, die innert 15 Minuten sterben könnten.

Als Gegenmassnahme muss der Pilot versuchen, möglichst schnell an Höhe zu verlieren und auf 10'000 Fuss herunterzugehen. Dieses Szenario wird von Experten nicht ausgeschlossen.

Fehlfunktion des Bordcomputers

Die dritte Theorie – eine Fehlfunktion des Computers – entstammt einem Bericht von «Spiegel Online», der einen Vorfall vom 5. November 2014 beschreibt: Ein A321 befand sich auf dem Weg von Bilbao nach München. Doch während in den Kabinen alles ruhig war, kämpften die Piloten hektisch gegen den drohenden Absturz. Die Maschine war plötzlich in einen steilen Sinkflug geraten – und die Instrumente gehorchten ihnen nicht, der Bordcomputer reagierte auf keine Befehle.

Vereiste Sensoren hatten dem Computersystem des Flugzeuges falsche Informationen geliefert. Die Piloten setzten einen Notruf ab und rechneten mit dem Schlimmsten. Dann kam der erfahrene Pilot auf eine radikale Idee: Er unterbrach die Stromzufuhr, schaltete so den Computer aus und übernahm das Steuer komplett selbst. Nur deswegen stürzte der A321 nicht ab – ein weniger geschulter Kapitän wäre wohl nicht auf die Idee gekommen. Die Maschine landete an jenem November 2014 sicher in München.

Fly-by-Wire-Technologie im Fokus

Dass die Piloten am eigenen Steuer zu Zuschauern degradiert wurden, liegt an der sogenannten Fly-by-Wire-Technologie. Rechner an Bord greifen ein, sobald ihnen Daten vorliegen, die einen bevorstehenden Strömungsabriss melden. So sollen Piloten vor Fehlern bewahrt werden. Allerdings können sich auch die Computer irren – wie in diesem Fall.

Die eigentlichen Auslöser für den Sinkflug waren Sensoren aussen am Flugzeug. Sie messen die Lage der Maschine im Luftstrom. Beim Start in Bilbao muss der Jet eine besonders feuchte Luftschicht durchflogen haben. Dafür spricht jedenfalls der gefrorene Zustand von zwei der drei Sensoren. «Die Software nimmt an, der Messwert der beiden gefrorenen Sensoren müsse, weil identisch, der korrekte sein», zitiert «Spiegel» den Informatiker Peter Ladkin von der Uni Bielefeld. Den richtigen und dritten Wert verwerfe der Rechner hingegen als fehlerhaft.

Computer will Steilflug korrigieren

Die Computer der Lufthansa-Maschine gingen also von einem extremen Steilflug aus und taten, worauf sie programmiert wurden: die Maschine herunterdrücken, ohne weitere Steuerimpulse der Piloten zu akzeptieren.

Gleich nach diesem Sturzflug verschickte Airbus Notanweisungen an Piloten und Mechaniker. Da aber auch andere Fluggesellschaften meldeten, die Sensoren seien anfällig fürs Vereisen, wird das Thema im April an der wichtigsten Fachkonferenz für Flugzeugwartung in Prag als erstes Traktandum besprochen.

Airbus unter Druck nach A320-Absturz von Air Asia

Der Kurz- und Mittelstreckenjet A320, das wichtigste Modell für Airbus und weltweit tausendfach im Einsatz, beschert dem Flugzeugbauer bereits den zweiten schweren Vorfall innerhalb weniger Monate. Erst am 28. Dezember 2014 stürzte ein A320 der Air Asia mit 162 Menschen an Bord auf dem Weg von Indonesien nach Singapur ins Südchinesische Meer.

Details dazu halten die Behörden unter Verschluss, doch laut «Spiegel» ist es denkbar, dass es beim Air-Asia-Flug ein ähnliches Problem wie beim Beinahe-Crash auf der Strecke Bilbao–München gegeben habe: Die Radaraufzeichnungen zeigen kurz vor dem Absturz einen ungewöhnlichen Steigflug, und das Flugzeug war zuvor in eine Gewitterzelle geflogen – mit kalter, feuchter Luft.

Boeing 737 ohne Fly-by-Wire

Ob beim aktuellen Unglück in den südfranzösischen Alpen ähnliche Probleme wie beim Fall des A321 vorlagen, ist offen. Gemäss Germanwings-Chef Thomas Winkelmann war das Flugzeug aber mit einem «neuen Bordcomputer» ausgestattet, der darauf nicht anfällig sei.

Im Vergleich zu den Modellen von Boeing werden Airbus-Jets viel stärker von Elektronik kontrolliert. Die Boeing 737 etwa, das Konkurrenzmodell zum A 320, hat kein Fly-by-Wire-System eingebaut.

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